Montag, 14. Oktober 2002

Euro-Umfrage: 2 Drittel kommen "sehr gut" zurecht

  • Noch immer 12,5 Mrd. S "im Börsel" / 9% rechnen genau um
  • 28% der Österreicher sind Euro-Skeptiker oder -Gegner

Neun Monate nach der Euro-Einführung haben sich Herr und Frau Österreicher weitgehend an die neuen Münzen und Scheine gewöhnt: Insgesamt 93% der Bevölkerung kommen gut oder sehr gut mit dem € zurecht. Erstaunlich: Noch immer haben die Österreicher 12,5 Mrd. S "im Börsel". 9% der Befragten rechnen weiterhin alles genau um. Und ein gutes Viertel der Österreicher sind Euro-Skeptikern oder -Gegner.

Das hat das Meinungsforschungsinstitut Fessel+GfK im Auftrag der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) im September erhoben (1.000 Befragte).

63% kommen "bereits sehr gut" mit dem Euro zurecht,
30% finden sich "gut zurecht",
5% "noch nicht ganz".
2% sagen, dass sie mit dem € überhaupt nicht zu Rande kommen. Damit hat ein etwa gleich großer Teil wie im Februar Probleme mit dem Euro. Damals kamen erst 43% sehr gut zurecht, 50 (jetzt 30)% nur gut.

71% sind Euro-Befürworter
Auch das "Gefühl" der Österreicher verbessert sich langsam: 28% haben im Umgang mit dem Euro ein "ziemlich gutes Gefühl",
19% rechnen fast nur noch im Euro.
Damit ist für insgesamt 47% der Umgang weitgehend problemlos.
36% haben ein "einigermaßen gutes Gefühl",
12% haben "eher kein gutes Gefühl",
5% sind "gar nicht sicher".

Fast zwei Drittel rechnen nicht mehr um
64% rechnen Güter des täglichen Bedarfs nicht mehr in Schilling um, bei teureren Waren machen das aber noch mehr als 80 Prozent. Tägliche Gebrauchsgüter werden nur noch von 9 Prozent genau umgerechnet. Fast 60 Prozent orientieren sich anhand einiger bekannter Preise, fast ebenso viele halten sich an einzelne "runde" Umrechungswerte.

OeNB-Direktor Wolfgang Duchatczek zeigte sich mit der Zustimmung zum Euro von 71 Prozent zufrieden. Die technische Umstellung sei schneller erfolgt als erwartet, auch die Gewöhnung der Bevölkerung sei rascher von statten gegangen als erwartet. Allerdings hätte er einen höheren Rücklauf von Schilling-Banknoten erwartet.

Österreicher haben noch 12,5 Mrd. Schilling
Noch immer sind Schilling-Banknoten und -Münzen im Wert von 12,5 Mrd. S (908 Mill. Euro) ausständig. Der Großteil davon sind Geldscheine im Gegenwert von 5,5 Mrd. S, Münzen im Wert von 4 Mrd. S. Die restlichen 3 Mrd. S entfallen auf "bereits aufgerufene" Banknoten, die zum Zeitpunkt der Euro-Einführung bereits kein gültiges Zahlungsmittel mehr waren.

Euro-Skeptiker oder -Gegner: 28% - ein gutes Viertel
An diesem Prozentsatz dürfte sich auch so schnell nichts ändern, meint Professor Erich Kirchler vom Institut für Psychologie der Universität Wien: Die Zustimmung oder Ablehnung werde vielfach durch sich selbst erfüllende Prognosen verstärkt, so dass es zu einer "Extremisierung" der Meinungen komme.

Die Euro-Befürworter zeichneten sich durch höhere Bildung und höheres Einkommen aus und stünden Veränderungen allgemein offener gegenüber.

Die Skeptiker seien generell pessimistischer eingestellt.

14.10.2002 13:20