Montag, 14. Oktober 2002

Star-Referee Collina pfeift erstmals in Österreich

  • Italienischer Schiri-Glatzkopf verpasste sich Maulkorb für Wien

Er ist ein Star und er lässt Stars nach seinem Pfeiferl tanzen. Die Rede ist von Pierluigi Collina, dem Fußball-Schiedsrichter mit der "berühmten" Glatze. Der 42-jährige Italiener ist schon bekannter als so mancher Kicker, besitzt einen Fan-Klub, eine eigene Homepage und ist mittlerweile längst zum Werbeobjekt avanciert. Wenn die Krankl-Elf am Mittwoch im Happel-Stadion in der EM-Qualifikation auf die Niederlande trifft, pfeift der weltweit anerkannte Spitzenreferee erstmals in Österreich.

Jeder, der sich für den Sport interessiert, kennt Collina, den Mann mit dem stechenden Blick, den rollenden Augen, der Gestik, der Mimik, der Dialoge mit Spielern und - der Glatze. "Ich leide seit meinem 24. Lebensjahr an der Stoffwechsel-Krankheit namens Alopezie, wegen der mir nicht nur Haare, sondern auch Wimpern ausfallen", erzählt der zweifache Familienvater und klärt damit auf, dass sein kahler Kopf kein Mode-Gag ist. Optisch ist es die Glatze, aber vielmehr hebt sich Collina durch sein souveränes Auftreten von den Kollegen positiv ab.

Ein Mann von Entschlossenheit
Sein Motto als Referee klingt einfach: "Der beste Schiri ist der, der den Mut besitzt, notwendige Entscheidungen zu treffen". Ihn beeindrucken bei seinen Pfiffen auch keine große Namen. Er strahlt stets Souveränität aus, verschafft sich mit Entschlossenheit und Konsequenz den nötigen Respekt, ohne dabei auf Herz und Mitgefühl zu vergessen. "Ich halte mich nicht für den wichtigsten Mann auf dem Platz, wie einige oft meinen. Wenn man den Unparteiischen nicht bemerkt, hat er meistens gut geleitet", sagt Collina. Seine Klasse, seine Persönlichkeit lässt kaum Zweifel an seiner Integrität aufkommen.

Collina spricht vier Sprachen
Mit seiner Maxime hat sich der promovierte Ökonom, der Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch spricht, auf der Karriere-Leiter stegig empor gedient. Seit 1977 ist er Referee, seit 1995 steht er auf der FIFA-Liste und seit Jahren ist er der Mann für "heiße" Partien wie u.a. zweimal England - Deutschland, das Champions League-Finale 1999 ManU - Bayern. Seit Olympia 1996 in Atlanta (Finale) war der Glatzkopf bei allen EM- und WM-Endrunden dabei. Höhepunkt war erst vor rund dreieinhalb Monaten das WM-Finale Brasilien - Deutschland in Yokohama.

Weltbester FIFA-Referee
"Das ist für einen Schiedsrichter einfach das Höchste", meinte Collina, der für seine Leistung von FIFA-Boss Joseph Blatter höchstpersönlich über den Klee gelobt worden war. Er wurde schon insgesamt viermal als weltbester FIFA-Referee und kürzlich in seiner Heimat mit dem "Sport-Oscar" ausgezeichnet. Die WM-Endrunde 2006 in Deutschland wird aus Altersgründen aber als Zuschauer verfolgen, Einsätze wird er noch genug haben.

Interview-Termine abgelehnt
Bezug zu Rot-Weiß-Rot hatte der Aktien-Experte einer Bank in der toskanischen Kleinstadt Viareggio bisher zweimal: Rapid verlor "mit" Collina 1999 in der Champions League-Quali in Istanbul gegen Galatasaray 0:1 und im November 2001 ging das ÖFB-Team im WM-Quali-Playoff im selben Stadion 0:5 unter. Für Wien hat sich der "schwarze Mann" einen Maulkorb verpasst, weil in einer italienischen TV-Show über seinen Kahlkopf Witze die Runde gemacht hatten. Alle Bitten um Interview-Termine lehnte Collina daraufhin ab.

Countdown wie vor jedem Spiel
Dazu ÖFB-Pressemann Wolfgang Eichler: "Ursprünglich hatte er schriftliche Frage beantworten wollen, dazu kommt es nun auch nicht." Sonst läuft der Countdown des Profi-Referees wie vor jedem Spiel: "Es ist wichtig, sich sehr gut vorzubereiten und zu wissen, mit welchen Taktiken die beiden Mannschaften spielen". Der Fußball habe einen solch hohen Standard erreicht, dass "wir mehr Zeit brauchen, um unserer Aufgabe gerecht zu werden".

14.10.2002 10:19