Samstag, 19. Oktober 2002

FIFA-Gala in Madrid im Zeichen des Machtkampfs

Mit wichtigen Entscheidungen, einer pompösen Gala und einer aufwändigen Geburtstagsfeier beendet die internationale Fußball-Spitze in dieser Woche in Madrid das Jahr 2002. Das Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA legt am Dienstag und Mittwoch fest, wie die Verbandsspitze künftig "regiert" werden soll. Das Gremium muss über das Verbands-Statut befinden, das FIFA-Präsident Joseph Blatter in den vergangenen zehn Wochen ausgearbeitet hat. Es soll der FIFA klarere Strukturen verschaffen und die Kompetenzen regeln.

Von elementarer Bedeutung ist dabei die Entscheidung über den Nachfolger von Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen, der im Sommer nach ebenso schwerwiegenden wie unhaltbaren Vorwürfen gegen Blatter entlassen worden war. Blatter favorisiert offenbar eine "interne Lösung": Der Finanzexperte und Blatter-Vertraute Urs Linsi aus der Schweiz, der bislang interimsmäßig die Geschicke geführt hatte, soll auch künftig das Generalsekretariat leiten.

"Abspecken" wird hingegen DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der 69-Jährige will zwei der fünf Ämter, die ihm seine Kollegen erst bei der letzten Sitzung am 24. September übertragen hatten, wegen Überlastung wieder abgeben. Lediglich den Sitz in den wichtigen Kommissionen für Finanzen und Spielerstatuten sowie im Organisations-Komitee für die WM 2006 will er behalten.

Sportlich wichtigster Tagesordnungspunkt ist die Vergabe der 32 Startplätze für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Nachdem die FIFA-Exekutive vor einem Jahr entschieden hatte, dass nur noch der Gastgeber, nicht aber der Titelverteidiger gesetzt ist, werden 31 Plätze auf die Kontinentalverbände verteilt. Als sicher gilt, dass Australien/Ozeanien erstmals einen festen Startplatz erhalten soll. Streit in der Exekutive ist programmiert, weil die meisten der übrigen Verbände den Status quo mindestens behalten wollen.

Entspannter dürfte es auf der Gala am Dienstagabend im Kongress-Zentrum zugehen, wo die Ehrungen der Weltfußballer im Mittelpunkt stehen. Bei den Männern scheint die Entscheidung offenbar zu Gunsten von Ronaldo gefallen zu sein. Den Abschluss der Sitzungs- und Feiertage in Madrid bildet am Mittwoch das Spiel einer Weltauswahl gegen Real Madrid. Die "Königlichen" feiern damit ihren 100. Geburtstag.

19.10.2002 10:10