Samstag, 19. Oktober 2002

Fünfjährige in den Kongo abgeschoben - Happy End?

  • Kann auf Wiedersehen mit Mutter hoffen

Ein von den belgischen Behörden nach Kongo abgeschobenes fünfjähriges Mädchen kann doch noch auf ein Wiedersehen mit seiner Mutter in Kanada hoffen. Ottawa habe einer Familienzusammenführung grundsätzlich zugestimmt, sagte ein belgischer Regierungssprecher am Samstag in Brüssel nach einem Gespräch von Premierminister Guy Verhofstadt mit seinem kanadischen Amtskollegen Jean Chretien.

Das Mädchen war nach acht Wochen in einem geschlossenen Transitlager auf dem Brüsseler Flughafen am Donnerstag allein nach Kinshasa geschickt worden. Die Abschiebung sorgte in der belgischen Öffentlichkeit für erhebliches Aufsehen. Die flämische Zeitung "De Morgen" berichtete am Samstag, Belgiens Innenminister Antoine Duquesne habe die Aktion selbst angeordnet.

Das Mädchen wurde nach Medienberichten nach Afrika ausgeflogen, obwohl dort keine Angehörigen auf sie warteten und die Mutter in Kanada, wo sie als anerkannter Flüchtling lebt, einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt hatte.

Die Fünfjährige war am 18. August in Begleitung eines Onkels, der in den Niederlanden lebt, auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem angekommen. Dort wurde sie festgehalten, weil sie keine gültigen Papiere besaß. Die Abschiebung sei die "am wenigsten schlechte Lösung" gewesen, sagte eine Sprecherin der Ausländerbehörde der Zeitung "Gazet van Antwerpen". Nach Angaben der Zeitung "Le Soir" hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk die Behörden aufgefordert, das Kind bis zur Erteilung eines kanadischen Visums einreisen zu lassen.

"Der kanadische Premierminister hat sich der Sache persönlich angenommen", sagte der belgische Regierungssprecher am Samstag nach der Abschiebung. Eine Entscheidung werde für Montag erwartet. Im Verlauf der kommenden Woche werde die kleine Tabita Mubilanzila dann voraussichtlich zu ihrer Mutter reisen können. Ein Sprecher des Außenministeriums in Brüssel erklärte, derzeit befinde sich das Mädchen in der Obhut einer Mitarbeiterin des kongolesischen Nachrichtendienstes ANR.

19.10.2002 16:30