Donnerstag, 17. Oktober 2002

Nordkorea will über Atomwaffenprogramm verhandeln

  • USA setzen auf Zusammenarbeit mit Verbündeten

Nordkorea ist offenbar zu Verhandlungen über sein international heftig kritisiertes Atomwaffenprogramm bereit, erwartet dafür aber das Entgegenkommen der USA. Die Regierung in Washington wiederum betrachtet das Atomprogramm als nicht verhandelbar und fordert weiter von Nordkorea die sofortige Einstellung.

Die Äußerungen zur Gesprächsbereitschaft der nordkoreanischen Regierung kamen am Montag von Parlamentspräsident Kim Yong Nam, in der Staatshierarchie der zweitmächtigste Mann nach Parteichef Kim Jong Il, der in Pjöngjang Vertreter Südkoreas empfing. "Wir nehmen die Situation sehr ernst", sagte Kim. "Wenn die Vereinigten Staaten bereit sind, ihre feindliche Politik gegenüber dem Norden einzustellen, ist der Norden bereit, Sicherheitsbedenken mit Hilfe eines Dialogs zu lösen."

Die US-Regierung hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, Nordkorea habe eingeräumt, ein geheimes Programm zur Entwicklung von Atomwaffen zu unterhalten. Nach einem 1994 mit den USA in Genf geschlossenen Abkommen hatte sich das unter Energiemangel leidende Nordkorea verpflichtet, diese Forschungen einzustellen. Als Gegenleistung sollte es zwei moderne Leichtwasserreaktoren bekommen.

Im nordkoreanischen Rundfunk wurde den USA am Montag vorgeworfen, ihren Teil der Vereinbarung nicht eingehalten zu haben. Die Reaktoren würden nicht wie vor acht Jahren versprochen bis 2003 fertig werden. Für den dadurch entstehenden Stromausfall müsse Nordkorea entschädigt werden. "Acht Jahre nach der Vereinbarung bewegen sich die USA immer noch um die Startlinie herum", hieß es laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in dem Rundfunkbeitrag. Das Abkommen stehe wegen der Verzögerungen beim Bau der Reaktoren auf der Kippe, ob es nun aufgegeben werde oder nicht.

Die Vereinigten Staaten setzen zur Beilegung der Krise mit Nordkorea auf die Zusammenarbeit mit Verbündeten in der Region. US-Außenminister Colin Powell erklärte am Sonntag in Washington, das Atomwaffenprogramm in Nordkorea müsse gemeinsam mit Russland, China, Japan, Südkorea und anderen gestoppt werden.

17.10.2002 07:57