Familiendramen in Italien forderten 12 Menschenleben
- Drei Blutbäder binnen 24 Stunden
Eine erschreckende Mordwelle in Familienkreisen, die in weniger als 24 Stunden zwölf Menschenleben forderte, schockt Italien. Am Dienstag erschoss ein Nachtwächter in der Nähe von Turin seine Ex-Frau, deren Bruder, Mutter und Schwägerin sowie drei Nachbarn, ehe er sich das Leben nahm. Der Mann hatte das Blutbad offenbar seit Tagen geplant. Er war mit zwei Pistolen, einem Revolver und einem Gewehr ausgerüstet. Ein 57-jährigen Steuerfahnders erschoss seine Frau, seine 17-jährige Tochter und deren Freund in ihrem Haus in der Nähe von Reggio Emilia. Die Taten filmte er mit einer Videokamera.
Das Motiv war vorerst unklar. Der Mann war seit Jahren mit seiner Ex-Frau zerstritten, öfters gab es Auseinandersetzungen wegen Geld. Er war beschuldigt worden, die Frau sowie die siebenjährige Tochter misshandelt zu haben. Zum Zeitpunkt des Familiendramas am Dienstag befand sich das Mädchen in der Schule.
Entsetzen löste auch der Amoklauf eines 57-jährigen Steuerfahnders aus, der seine Frau, seine 17-jährige Tochter und deren Freund in ihrem Haus in der Nähe von Reggio Emilia erschoss und die Taten mit einer Videokamera filmte. Die beiden Frauen waren sofort tot. Der Täter, der sich das Leben zu nehmen versuchte, und der junge Freund der Tochter wurden von der Polizei lebend gefunden. Ihr Zustand ist kritisch. Ein Streit über den Verkauf des Hauses oder die Beziehung der Tochter zu ihrem Freund könnten Auslöser des Blutbads gewesen sein, vermuteten die Ermittler.
In einer Wohnung an der Peripherie von Rom wurde am Dienstag ein älteres Ehepaar tot aufgefunden. Der Mann, ein ehemaliger Heeresoffizier, soll seine Frau in einem Anfall von Eifersucht erstochen haben. Er beging Selbstmord.
Konflikte zwischen Ehepartnern und Scheidungen waren in Italien Ursache für den Tod oder Selbstmord von rund 700 Menschen innerhalb von sechs Jahren. In Italien ständen Familiendelikte auf der Tagesordnung, warnte der Präsident des Verbands "Ex", Fabio Nestola, der sich seit 1989 mit 31.000 Scheidungen in Italien beschäftigt hat. Vor allem Väter, die die Auflösung ihrer Familie nicht akzeptieren, könnten "zu eklatanten Racheakten fähig sein" - die Ex-Frau ermorden oder sie mit dem Tod der Kinder "bestrafen".
Zu den schlagzeilenträchtigsten Fällen der vergangenen Monate, die Psychiater, Staatsanwälte und Erzieher beschäftigen, zählt jener der 16-jährigen Erika Di Nardo, die im vergangenen Jahr in einem Ort in Ligurien mit ihrem 17-jährigen Freund ihre Mutter und ihren Bruder mit 97 Messerstichen tötete. Die beiden Täter sitzen in einem Jugendgefängnis. Die Spurenauswertung ergab, dass das Pärchen wie im Blutrausch getötet hatte.
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