Mittwoch, 16. Oktober 2002

NEWS: Heller attackiert Ministerin nach Nestroy-Eklat

  • Andrea Breth & Elisabeth Orth legen Mitgliedschaft zurück
  • Sponsor-Chef Treichl kritisiert Heller-Rede samt Polit-Märchen

Kein Tag vergeht ohne neue Aufregung rund um die Nestroy-Verleihung. Ex-Burgtheater-Chef Peymann wurde mit dem Preis für sein Lebenswerk geehrt, will ihn aber wieder zurück geben! Grund: "Provinzielles Gezeter" rund um Hellers Laudatio - ein Polit-Märchen, gespickt mit massiver Kritik an der schwarz-blauen Regierung. Heller attackiert im neuen NEWS nun seinerseits Ministerin und ORF! Außerdem legen Andrea Breth & Elisabeth Orth aus Protest ihre Mitgliedschaft bei der Nestroy-Akademie zurück.

In einem Interview mit der neuen Info-Illustrierten "News" kritisiert Heller Ministerin Elisabeth Gehrer. Sie sprach bei einer Pressekonferenz von einem "Missbrauch einer Kulturveranstaltung für parteipolitische Werbung".

Heller: "Die Frau Gehrer ist derzeit in unserem Land für Bildung zuständig. Da kann sie hoffentlich nicht tatsächlich glauben, dass bei einer Theaterveranstaltung politische Äußerungen in literarischer Form nichts verloren hätten."

Heller: "ORF will offenbar Vorzensur"
"Der ORF sagt, man werde Vorkehrungen treffen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt", so Heller weiter, "Das bedeutet offenbar Vorzensur." Während er selbst "zu autonom und und international verankert" sei, um künftig Schwierigkeiten zu befürchten, mache er sich um Andrea Eckert (die als Moderatorin ein politisches Schluss-Statement abgab) Sorgen: "Sie wird das Ganze womöglich in manchen Kritiken für ihre nächste Premiere zu spüren bekommen, und Aufträge vom ORF kann sie wahrscheinlich vergessen."

Alles zur Aufregung um die Nestroy-Verleihung an Peymann lesen Sie im neuen NEWS.

Festreden bei Nestroy-Gala lösten Eklat aus
Die Nestroys wurden am vergangenen Samstag zum dritten Mal verliehen. Nachdem zuletzt um die Laudatio Andre Hellers auf den "Lebenswerk"-Preisträger Claus Peymann ein heftiger Streit entbrannte, meldete sich in der Tageszeitung "Kurier" der Generaldirektor des "Nestroy"-Sponsors Erste Bank, Andreas Treichl, zu Wort: Es schmerze ihn sehr, "dass ich live miterleben musste, wie jemand hinter dem Logo der Erste-Bank eine Parteitagsrede hielt, noch dazu auf einem so erschreckend niedrigen Niveau."

Breth & Orth legen Mitgliedschaft zurück
Unterdessen haben die Regisseurin Andrea Breth und die Schauspielerin Elisabeth Orth "aus kulturpolitischen Gründen" ihre Mitgliedschaft in der "Nestroy"-Akademie zurückgelegt.

"Nun versitzt man als Mitglied während dieser 'Nestroy-Gala' im TV-Licht des ORF eine enorme Sendezeit, in der man schon einen ungestrichenen Moliére oder Fedeau (sic) hätte übertragen können und muß sich auch noch neben allen anderen Trostlosigkeiten, die vom ORF in ähnlich unprofessioneller Trostlosigkeit hergestellte Abbilderung der eigenen Bühnenarbeit, anschauen", heißt es in einem Brief von Breth und Orth an die Preis-Jury, "Bild- und Tonqualität so erbärmlich, daß man den Rechtsanwalt beiziehen möchte, um sich vor solch einer Berufsschädigung zu schützen. Und das soll Werbung für das Theater sein, wie die Erfinder dieser Veranstaltung immer betonen?"

Nestroy ist "Oscar-Verleihung an Arme"
Die beiden kritisieren die Preisverleihung als "Oscar-Verleihung für Arme" und fragen: "Wie viele Theateraufführungen zeichnet der ORF denn überhaupt noch auf?" - "Jetzt hat man aber den unangenehmen Eindruck, daß der ORF der irrigen Meinung ist, er hätte mit der Übertragung dieser kostenlosen Veranstaltung schon seine Pflicht erfüllt." Breth und Orth möchten sich "nicht weiter korrumpieren lassen und an einer womöglich weiterhin stattfindenden 'Nestroy-Gala' aus kulturpolitischen Gründen nicht mehr teilnehmen: wir geben hiermit offiziell unseren Austritt aus der 'Nestroy-Akademie' bekannt. Wir verstehen unseren Austritt als einen humanen Akt, um Sie vor weiteren gut gemeinten Peinlichkeiten zu bewahren."

Andreas Treichl indes zeigte sich im "Kurier" überzeugt, "dass Herr Heller beim Konzipieren seiner Rede nicht darüber nachgedacht hat, wie respektlos er sich gegenüber dem Unternehmen, das ich vertrete, verhalten hat, weil diese Dimension in seiner Welt nicht vorkommt." Ein Sponsor dürfe, könne und solle nicht zensurieren, andererseits dürfe sein Unternehmen "nicht ein Ereignis unterstützen, bei dem so frivol Parteipolitik betrieben wird." Heller seinerseits repliziert: "Die Erste Bank hat vielleicht den 'Nestroy' gesponsert, aber mit Sicherheit nicht meine Meinung gekauft."

16.10.2002 14:42