Freitag, 11. Oktober 2002

Italien gegen Ausverkauf an USA

  • Angst vor dem Verlust von Traditionsmarken

Die italienische Regierung hat sich gegen einen möglichen Verkauf der Fiat-Autosparte an den US-Konzern General Motors (GM) ausgesprochen. "Die Regierung hofft, dass ein so bedeutender und historisch wichtiger Auto-Konzern italienisch bleibt", sagte Industrieminister Antonio Marzano. Oppositionsführer Francesco Rutelli erklärte, Italien könne es sich nicht leisten, seine bedeutendste Auto-Industrie zu verlieren.

GM hält derzeit zwanzig Prozent und hat eine Übernahme-Option.

Drosselung der Produktion
Das hochverschuldete Turiner Unternehmen kommt trotz eines aufwendigen Sanierungsplans, der unter anderem Beteiligungsverkäufe und finanzielle Hilfen italienischer Banken vorsieht, bisher nicht aus der Krise. Weil im Verhältnis zu den verkauften Autos noch immer zu viele Neuwagen gebaut werden, muss jetzt die Produktion weiter gedrosselt werden. Die Fiat-Autosparte hat seit 1997 keine Gewinne mehr verzeichnet.

Um das Unternehmen zu retten, müssten bis Ende des Jahres zwanzig bis dreißig Prozent weniger Autos produziert werden, hatte kürzlich Fiat-Auto-Chef Giancarlo Boschetti mitgeteilt. Im September hatte der Konzern weitere Verkaufsrückgänge verzeichnet. In den ersten neun Monaten 2002 verkaufte allein die Marke Fiat über 19 Prozent weniger Autos als im Vorjahr. Bei Lancia und Alfa Romeo sieht die Situation nicht viel besser aus.

General Motors öffnet Garage
Umberto Agnelli ließ entgegen den Hoffnungen der Regierung durchblicken, dass es sich bei dem Verkauf der Fiat-Autosparte an den US-Konzern General Motors nur noch um eine Frage der Zeit handelt. "Leider können wir das Ganze nicht beschleunigen", sagte Agnelli mit Blick auf die Übernahme-Option von GM für das Jahr 2004. Die Rating- Agentur Moodys hatte in den vergangenen Tagen bereits erklärt, dass der Konzern Fiat-Auto "auf jeden Fall verkaufen" müsse, um die Krise zu überwinden.

11.10.2002 09:50