Donnerstag, 10. Oktober 2002

Herzog fordert auch auswärts Siegermentalität

  • Der Teamkapitän: "Müssen an unsere Stärke glauben"
  • Erstmals Duo Herzog-Wagner?

Andreas Herzog ist einer von nur zwei Spielern, die mit der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft schon einmal in Minsk gewonnen haben. Der aktuelle Teamkapitän und Harald Cerny standen am 19. September 1997 in der Elf, die dank eines Pfeifenberger-Kopfballs Weißrussland in der WM-Qualifikation mit 1:0 besiegten. Am Samstag gastiert das ÖFB-Team in der EM-Qualifikation wieder in der weißrussischen Hauptstadt. "Wir hatten damals Glück, ich hoffe, wir haben es auch diesmal. Wir fahren auch jetzt wieder hin um zu gewinnen", erklärte der österreichische Rekord-Internationale vor seinem 98. Länderspiel.

"Es war ein ganz wichtiger Sieg damals. Wir haben gut angefangen, dann ist Weißrussland immer stärker geworden, aber (Torhüter) Wohlfahrt war damals überragend. Man hat aber schon gesehen, dass sie einen gepflegten Fußball spielen", erinnert sich Herzog an bessere Zeiten. Das Jahr 1997 war das bisher Letzte, in dem die ÖFB-Nationalmannschaft in Pflichtspielen wirklich überzeugt hat. Einen Monat nach dem Sieg in Minsk fixierten Polster und Co. mit einem 4:0 in Wien gegen die Weißrussen die Qualifikation für die WM-Endrunde 1998 in Frankreich.

Herzog hofft auf glorreiche Zukunft
Seit damals hat sich viel geändert, ist Österreich im internationalen Ansehen weit zurück gefallen. "Wir waren damals eine gefestigtere Mannschaft. Ich hoffe, wir kommen bald wieder dahin, damit wir wieder in eine glorreiche Zukunft schauen können", sagt Herzog.

Mehr Courage in fremden Stadien
Um am Samstag den ersten Schritt zu tun und den ersten Auswärtssieg seit zwei Jahren zu feiern, fordert der Teamkapitän endlich Courage in fremden Stadien. "Zu Hause sind wir mit dem Publikum im Rücken schon oft über uns hinaus gewachsen. Jetzt müssen wir auch auswärts Siegermentalität entwickeln. Wir wissen, dass wir keine Spitzenmannschaft sind, aber wir müssen an unsere Stärke glauben", erklärt Herzog.

Mit Selbstbewusstsein auftreten
Die Teamspieler sahen am Mittwoch ein Video vom 0:3 der Weißrussen zum Qualifikationsauftakt in Eindhoven gegen die Niederlande. Bilder von einem Heimspiel gibt es nicht, weil die Weißrussen all ihre fünf Partien heuer auswärts bestritten haben. "Gegen uns wird Weißrussland ganz anders auftreten. Sie haben große, Kopfball starke Verteidiger, sie haben schnelle Spieler, spielen Kombinationsfußball. Wir dürfen uns nicht hineindrängen lassen, müssen mit Selbstbewusstsein auftreten", gibt Herzog den Weg vor.

Herzilein und Wagner gemeinsam?
Echtes Neuland betritt auch Michael Wagner nicht im Dynamo-Stadion von Minsk. Vor sieben Jahren, als sich die Wiener Austria gegen Dynamo für längere Zeit aus dem Europacup verabschiedete, kam das damals 20-jährige Talent beim 0:1 eine Hälfte lang zum Einsatz. Diese Scharte will der Wiener nun ausmerzen. Erstmals könnte der Austrianer mit dem Rapidler Herzog in einem Team spielen. "Es wurde oft geschrieben, entweder Herzog oder Wagner. Ich habe das nie so gesehen. Ich glaube, es könnte auch mit beiden gut funktionieren", sagt Wagner.

"Alles ist möglich"
Für Wagner spricht, dass er einer der wenigen Teamspieler ist, der zuletzt regelmäßig zum Einsatz kam und auch mit guten Leistungen überzeugte. Form und Selbstvertrauen stimmen. "Wir dürfen nicht auf Schadensbegrenzung aus sein, sondern zeigen, dass wir besser sind, als es die momentane Situation vermuten lässt", sagt Wagner. Und was sagt Teamchef Hans Krankl zum einem Duo Herzog-Wagner? "Alles ist möglich."

10.10.2002 15:41