Gentleman Sir Bobby Charlton wird 65
- Sehnsucht nach Bier und Gartenarbeit

Vor kurzem gab Sir Bobby Charlton auf etwas überraschende Weise einen Hinweis darauf, dass er kurz davor stand, das Ruhestandsalter zu erreichen. "Ich freue mich schon auf mehr Zeit in meinem englischen Garten - und ein Bierchen dazu wäre nicht fehl am Platz", sagte Englands "Gentleman-Fußballer" in einem Werbespot für die Vorsorge-Einrichtung einer australischen Bank. Öffentliche Auftritte beschränkt Charlton, der am Freitag seinen 65. Geburtstag feiert, eigentlich sonst auf ein Minimum. Gegenüber der Presse spricht er nur, wenn es sich überhaupt nicht vermeiden lässt.
Um die kommenden Jahre muss sich Charlton, am 11. Oktober 1937 in Ashington im Nordosten Englands geboren, allerdings auch keine Sorgen machen. Der Fußball hat ihm erlaubt, den Ruhestand in Wohlstand zu genießen. Er war nie darauf angewiesen, wie andere Mitglieder der englischen Weltmeister-Mannschaft von 1966, die Siegermedaille oder andere Erinnerungen zu verkaufen, um seine Pension aufzubessern.
103 Länderspiele für England
Bobby Charlton gehört zu den Ausnahmeerscheinungen im Fußball, zusammen mit Pele, Franz Beckenbauer, Johan Cruyff und einigen wenigen Anderen. Er hat (fast) alles in diesem Sport gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Mit seinem Verein Manchester United war er Meister (1965 und 1967), FA-Cupsieger (1963) und Europacupsieger (1968), dazu 1966 Weltmeister mit England, für das er 103 Länderspiele bestritt. Wegen seiner Verdienste für den Sport wurde er 1994 sogar von Englands Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen und darf sich seither "Sir" nennen.
Jahrzehntelang nicht mehr lachen
Doch so sehr Bobby Charlton Freude am Fußball hatte, so wenig konnte er sie zeigen. Verantwortlich dafür ist das Flugzeugunglück vom Februar 1959 in München. Er überlebte, nahezu unverletzt, während insgesamt acht seiner Mannschaftskollegen ums Leben kamen. Seither hatte Charlton jahrzehntelang nicht mehr lachen können, weder bei Torerfolgen noch beim Erreichen großer Erfolge mit Klub und Nationalmannschaft.
Mit Bruder Jack jahrelang nicht geredet
Auch privat musste er Höhen und Tiefen hinnehmen. Mit seiner Ehefrau Norma, mit der er seit 1961 verheiratet ist, hat er zwei Töchter - eine der beiden machte später Karriere als TV-Wettervorhersagerin. Mit seinem älteren Bruder Jack, der 1966 ebenfalls am Gewinn des WM-Titels beteiligt war, hatte Charlton aber jahrelang nicht geredet. Laut einer Dokumentarsendung des englischen Fernsehsenders ITV steckten familieninterne Gründe dahinter. Erst bei der Beerdigung ihrer Mutter vor einigen Jahren kam es zwischen den beiden Brüdern zur Versöhnung.
Mitglied des ManU-Direktoriums
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere, 1974 als Spielertrainer von Preston, versuchte es Bobby Charlton auch als Trainer - allerdings mit wenig Erfolg. Besser erging es ihm als Geschäftsmann, nicht zuletzt darum ernannte ihn sein ehemaliger Klub 1984 auch zum Mitglied des (sechsköpfigen) Direktoriums. Und "ManU" - Ruhestand hin oder her - wird er wohl noch einige Jahre verbunden bleiben.
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