Montag, 7. Oktober 2002

Kalachakra-Tantra: Herrschaft über "Zyklen der Zeit"

  • 1. Einweihung der Legende vor 2.800 Jahren in Shambhala

Das Kalachakra-Tantra gilt als eines der schwierigsten und am meisten fortgeschrittenen Systeme im tibetischen Buddhismus. Im Mittelpunkt der Initiationen steht der Zeitgott Kalachakra, der zusammen mit unzähligen anderen Göttern in einem imaginären Mandalapalast wohnt.

Der Legende nach gab Buddha die erste Kalachakra-Einweihung vor etwa 2.800 Jahren dem König und dem Volk des sagenumwobenen Landes Shambhala, erklärt Alexander Berzin, Kalachakra-Experte und Schüler des Dalai Lama. Historische Belege für dieses Ereignis gibt es aber ebenso wenig wie Hinweise auf die tatsächliche Existenz von Shambhala.

Das Kalachakra, was soviel wie "Zyklen der Zeit" bedeutet, ist in drei Teile gegliedert. Das Äußere Kalachakra ist eine Beschreibung der Entstehung und des Aufbaus der äußeren Welt, der Planeten und der Sterne. Es stellt äußere Lebens- und Zeitzyklen wie zum Beispiel die Tage des Jahres dar und beinhaltet eine umfassende Kosmologie.

Das Innere Kalachakra beschreibt die Lebens- und Zeitzyklen des menschlichen Körpers, insbesondere den Fluss des Atems und der subtilen Energien im feinstofflichen Körper. Dieses Kapitel dient auch als Grundlage der tibetisch-medizinischen Wissenschaft.

Herzstück der Lehre ist aber das Alternative Kalachakra: Darin findet sich ein umfassendes Übungssystem, das Methoden beschreibt, wie die im Äußeren und Inneren Kalachakra beschriebene Basis - also Umwelt und Körper - in den Zustand der Erleuchtung umgewandelt werden kann.

Um diese Lehre praktizieren zu können, müssen die Schüler eine Einweihung erhalten, deren erste Stufe in Graz gegeben wird. Die Initiation erfolgt auf Basis eines aus farbigem Sand gestreuten Mandala, einer symbolischen Darstellung des Palastes von Kalachakra. Der Vorgang selbst besteht aus einer Reihe von komplexen Visualisationen, in denen analog zur menschlichen Entwicklung verschiedene Aspekte der menschlichen Natur gereinigt und transformiert werden.

Bei der Initiation verpflichten sich die Teilnehmer zu einer täglichen Praxis und zu einer Reihe von tantrischen Gelübden. Die Ausübung des Kalachakra-Tantra ist extrem zeitaufwändig und nur sehr schwer in ein normales weltliches Leben zu integrieren.

Ein wesentliches Element des Tantra besteht allgemein darin, dass sich die Praktizierenden nicht mit ihrem alltäglichen Ego und dessen endlosen Problemen identifizieren, sondern sich in entsprechenden Visualisationen als erleuchtete Wesen betrachten. Die buddhistischen Grundtugenden wie Ethik und sittliches Verhalten sind auch Inhalt des Kalachakra.

7.10.2002 14:33