Bombe explodierte, als Clown Luftballons verteilte
- "Wer kann so etwas tun?"
Die Bombenexplosion im Myyrmanni-Einkaufszentrum hat das sonst von terroristischen Aktivitäten völlig verschonte Finnland fassungslos gemacht. "Wer kann so etwas tun?" lautete die am Samstag überall im Land gestellte Frage, nachdem am Freitagabend eine Bombe genau dort zur Explosion gebracht wurde, wo ein Zirkusclown Luftballons an die Kinder verteilte.
Zu den sieben Toten gehörte auch ein fünf Jahre altes Mädchen. Zwölf Kinder mussten mit zum Teil schweren Verletzungen durch herabfallende Glassplitter eines eingestürzten Daches operiert werden. Der Mann im Clownskostüm überlebte den Anschlag nicht.
"Wir werden alle Kräfte mobilisieren, damit der oder die Verantwortlichen für dieses furchtbare Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Ministerpräsident Paavo Lipponen knapp zwölf Stunden nach der ersten Meldung vom Geschehen in Vantaa, wo einige Kilometer nördlich der finnischen Hauptstadt auch der internationale Flughafen von Helsinki liegt. Der Regierungschef dürfte zu diesem Zeitpunkt ebenso ahnungslos wie seine 4,5 Millionen Landsleute gewesen sein, was in Wirklichkeit hinter diesem wahnsinnigen Verbrechen in einem von mehr als 1.000 Menschen besuchten Gebäudekomplex steckt.
Finnland ist bisher von terroristischen Aktivitäten so gut wie verschont geblieben. Hin und wieder gabe es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Rockergruppen oder im Umfeld der organisierten Kriminalität. Das war alles. Dass aber womöglich ein Selbstmordattentäter den Tod hunderter zufällig anwesender Menschen einschließlich Kleinkinder geplant haben soll, konnte unter den Nordeuropäern zunächst niemand recht glauben.
Auch die Rekrutierungsmöglichkeiten für Terroristen mit Nahost- oder anderem arabischen Hintergrund sind in dem nordeuropäischen Land äußerst beschränkt. Finnland hat traditionell eine äußerst restriktive Asyl- und Flüchtlingspolitik, was einen für westeuropäische Verhältnisse ungewöhnlich niedrigen Ausländeranteil mit sich bringt.
Dennoch drehten sich die Gespräche vieler Finnen am Tag nach der Katastrophe um die Vorstellung, dass ein Einzelner oder eine Gruppe mit Bezug zum Nahost-Konflikt hier mit ähnlichen Mitteln, aber möglicherweise noch schrecklicheren Konsequenzen als bei den Selbstmordanschlägen von Palästinensern in Israel "ein Signal" habe setzten wollen.
Weder Staatspräsidentin Tarja Halonen noch Lipponen oder Sprecher der Justiz gingen auch nur mit einem Wort auf derartige Spekulationen ein. Als dann fast 24 Stunden nach dem Anschlag ein 20-jähriger Finne als mutmaßlicher Selbstmordattentäter von der Polizei genannt wurde, schien sich diese Zurückhaltung als klug zu erweisen. Aber auch hier stellte sich ja weiter drängend die Frage nach dem Warum.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Mordalarm in Wien10:53
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache
