Freitag, 11. Oktober 2002

Vor 40 Jahren: Kuba-Krise brachte Atomkriegsgefahr

  • Kennedy fühlte sich durch sowjetische Raketen provoziert
  • PLUS: Alle Hintergründe zur heiklen Krise vor 40 Jahren!

Vor 40 Jahren stand die Welt am Rande eines Atomkrieges. Die Streitkräfte von NATO und Warschauer Pakt waren in höchster Alarmbereitschaft, die Raketen standen abschussbereit in ihren Silos, und die Besatzungen der Langstreckenbomber warteten auf ihre Einsatzbefehle. Als die gefährlichste Konfrontation zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion ging die Kuba-Krise vom Oktober 1962 in die Geschichtsbücher ein.

Die Krise begann, als Aufklärungsflugzeuge der US-Luftwaffe Mitte Oktober auf Kuba Abschussrampen und zahlreiche Raketen sowjetischer Herkunft entdeckten. Knapp vier Jahre zuvor, im Jänner 1959, hatte auf der so dicht vor den USA gelegenen größten Karibikinsel Fidel Castro die Macht übernommen und sich nach dem Bruch mit Washington und der Ausrufung des Sozialismus politisch und wirtschaftlich immer stärker an die Sowjetunion angelehnt. US-Präsident John F. Kennedy musste die atomar bestückten Mittelstreckenraketen vor der eigenen Haustüre als unerträgliche Herausforderung empfinden.

26. Oktober 1962: Chruschtschow lenkt ein
Zunächst tagte in Washington unter strenger Geheimhaltung ein Krisenstab. Am 22. Oktober 1962 trat Kennedy mit einer Fernsehansprache an die amerikanische Öffentlichkeit und verkündete eine Seeblockade für alle Rüstungsgüter. Sowjetführer Nikita Chruschtschow leugnete erst die Existenz der Offensivwaffen, lenkte aber schließlich am 26. Oktober ein. Er bot den Abzug der Raketen an, wenn sich die Amerikaner verpflichteten, nicht in Kuba einzumarschieren. Kennedy sagte dies zu, und am 28. Oktober verkündete Chruschtschow den Abzug der Raketen. Die gefährlichste Krise des Kalten Krieges wurde damit auch zu einem Lehrbeispiel für erfolgreiches Krisenmanagement. Die zweite russische Forderung, den Abzug amerikanischer Mittelstreckenraketen aus der Türkei, erfüllte Kennedy ebenfalls, ohne dass dies aber zunächst bekannt wurde.

Was war der Grund für Vorstoß der UdSSR?
Über die Motive Chruschtschows, Kennedy herauszufordern, wird auch nach 40 Jahren noch diskutiert. Sein Sohn Sergej wies in diesem Jahr in einem "Spiegel"-Interview die verbreitete These zurück, die Raketen hätten als Druckmittel bei künftigen Verhandlungen mit den Amerikanern über den Status Westberlins verwendet werden sollen. "Damit ließ sich kein Druck in der Berlin-Frage machen. Nein, mein Vater wollte die Amerikaner davon abschrecken, Kuba anzugreifen", versicherte der Chruschtschow-Sohn in dem Interview. Als Führer einer Weltmacht habe sein Vater seinen Alliierten Castro verteidigen müssen, um nicht das Gesicht zu verlieren.

Fidel Castro auch heute noch im Amt
Von allen damaligen Akteuren ist heute alleine noch der kubanische Staats- und Parteichef im Amt. Die USA haben Kuba nie angegriffen und mit ihrem Wirtschaftsembargo die Stellung Castros auf der Insel eher gefestigt als geschwächt. Jener hatte vor 40 Jahren Chruschtschow die Einigung mit Kennedy über die Köpfe der Kubaner hinweg übel genommen. Wütende Demonstranten marschierten durch die Straßen Havannas und skandierten Parolen gegen den sowjetischen Parteichef. Zum 40. Jahrestag der Kuba-Krise wollen Historiker am 11. und 12. Oktober zu einer Konferenz in Havanna zusammenkommen, bei der auch bisher geheime Dokumente freigegeben werden sollen. Mit bedeutenden Enthüllungen wird nicht gerechnet.

11.10.2002 08:54