Freitag, 11. Oktober 2002

Lagerwahlkampf Blau-Schwarz gg. Rot-Grün

  • Die einen versprechen massive Entlastung,...
  • ....die anderen versprechen "ökosoziale Umsteuerung".

Die Mutter aller Wahlschlachten soll tiefe Spuren in Österreichs Steuersystem hinterlassen. So wollen es jedenfalls die Wahlkampfstrategen propagieren. Der Frontverlauf ist dabei wie in der gesamten Wahlauseinandersetzung messerscharf gezogen: Schwarz-Blau gegen Rot-Grün.

Die Sozialdemokraten:

Die Ambulanz- und Studiengebühren sowie die Besteuerung der Unfallrenten werden abgeschafft.

o Lohn- und Einkommensteuer: Kleine und mittlere Einkommen werden um zwei Milliarden Euro entlastet, pro Kopf und Jahr um 530 bis 685 Euro.

o Steuerfreigrenze: Einkommen bis 10.000 Euro Bemessungsgrundlage bleiben steuerfrei; Alleinverdiener und -erhalter sind bis 1.000 Euro Bruttomonatslohn steuerfrei.

o Unternehmen: Die Wirtschaft wird um eine Milliarde Euro im Jahr entlastet. Ein Investitionsfreibetrag neu soll zusätzlich Investitionen um 30% steuerlich fördern. Ein Stabilitätsfonds soll Klein- und Mittelbetriebe unterstützen.

o Zeitplan: Die Entlastung soll so rasch wie möglich erfolgen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Grundsätzlich soll die Fiskalpolitik auch zur Steuerung der Konjunktur eingesetzt werden.

Die Volkspartei:

o Zu allererst soll die Steuerfreigrenze von 8.900 auf 10.000 Euro zu versteuerndes Einkommen angehoben werden. Diese Regelung schlägt nicht auf den Tarif aller anderen Steuerzahler durch.

o Ziel: Die Abgabenquote soll bis 2010 auf 40% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gesenkt werden. Das bedeutet eine Entlastung von 8 Mrd. Euro.

o Lohn- und Einkommensteuer: Die erste Etappe der Entlastung - frühestens 2004 - soll 1,5 bis 2 Mrd. euro kosten, die Steuerzahler im Schnitt um 600 Euro pro Jahr entlasten.

o Unternehmen: Ziel ist eine einheitliche Betriebssteuer für alle Unternehmen, im Betrieb belassene Gewinne sollen wie Kapitalerträge nur noch mit 25 % besteuerte werden.

o Die Entlastung kann nur so erfolgen, wie im Budget unter Beibehaltung des Nulldefizit Spielraum geschaffen wird.

Die Freiheitlichen:

o Die Entlastung der sozial Schwachen soll noch 2003 erfolgen. Als erstes sind Einkommen bis 1.000 Euro brutto im Monat steuerfrei zu stellen.

o Ziel: Die Abgabenquote soll bis 2010 auf 40% (BIP) gesenkt werden; Kostenpunkt: 8 Mrd. Euro.

o Lohn- und Einkommensteuer: Ziel ist eine modifizierte "Flat rate", die Einkommen mit "höchstens 25%" besteuert. Löhne und Gehälter sollen gleich wie Kapital und Unternehmen belastet werden.

o Unternehmen: Alle Unternehmen, egal welcher Rechtsform, sollen einheitlich besteuert werden. Die Steuerlast soll - wie der Kapitalertragssteuersatz - 25 % nicht übersteigen, damit auch der Körperschaftssteuersatz auf 25 % gesenkt werden kann.

o Zeitplan: Die 1. Etappe der Steuerreform soll zur Konjunkturankurbelung 2003 erfolgen. Das Nulldefizit bleibt Bedingung.

Die Grünen:

o Die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen soll über den SV-Beitrag zu den Krankenkassen erfolgen. Ein Freibetrag für jeden soll durch die Aufhebung der Höchstbeitragsgrundlage finanziert werden.

o Ziel: Innerhalb von fünf, sechs Jahren sollen zehn Mrd. Euro Steuerlast auf nicht erneuerbare Energien sowie Straßenverkehr (Lkw) ökosozial umgeschichtet werden.

o Lohn- und Einkommensteuer: Jeder Erwerbstätige erhält im Gegenzug tausend Euro pro Jahr "Umweltbonus"; pro Kind oder Pensionist 450 Euro.

o Unternehmen: Die Lohnnebenkosten werden um 4 Mrd. Euro gesenkt; Ausgleichsfonds verhindern das Verdrängen von Unternehmen und Jobs.

o Zeitplan: Das Konzept ist aufkommensneutral, kann jederzeit beginnen. Senkung der Abgabenlast erfordert Aufgabenreform.

11.10.2002 15:52