Keime im Spital: Jeder 10. Patient steckt sich an!
- Infektionen kosten 328 Mio. pro Jahr!
- Studie: 50% des Personals wäscht sich nicht die Hände
Schockierend: Vier bis zehn Prozent der Patienten ziehen sich im Spital Infektionen zu. Das kann den Erfolg jeglicher Therapie zunichte machen. Jetzt präsentierte das Gesundheitsministerium eine "ProHyg-Leitlinie" über "Organisation und Strategie der Krankenhaushygiene als generelle Empfehlung für die österreichischen Spitäler. So soll den Keimen der Kampf angesagt werden.
Mangelnde Hygiene & zu viele Antibiotika
"Hospitalismuskeime stellen gerade im Krankenhaus eine große Herausforderung dar. Mit unseren Umweltbedingungen schaffen wir die Voraussetzungen, dass sich die Verantwortlichen die Haare raufen müssen", meinte Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck (F). Mängel in der Durchführung von Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern, unzureichende ständige Überwachung der Situation sowie zu sorglose Antibiotika-Verschreibungen sind die Hauptursachen für das Aufkommen von Spitalskeimen, die noch dazu in vielen Fällen Resistenzen gegen die rettenden Antibiotika aufweisen.
Jeder 10. Patient wird im Spital infiziert
Der Linzer Mikrobiologe und Hygieneexperte Univ.-Prof. Dr. Helmut Mittermayer (Krankenhaus der Elisabethinen): "Wir können davon ausgehen, dass vier bis zehn Prozent aller Patienten, die ins Krankenhaus aufgenommen werden, Infektionen erleiden - 70 Prozent davon in den operativen Fächern. Obwohl nur fünf bis zehn Prozent der Patienten in Intensivstationen aufgenommen werden, kommen bei ihnen 25 Prozent der nosokomialen (im Krankenhaus auftretenden, Anm.) Infektionen vor."
Hygiene braucht Kontrolle
Wie sehr die Hygiene von der Ausbildung der Personals und der Einhaltung einfacher Vorsichtsmaßnahmen abhängt, zeigt eine wissenschaftliche Studie in Österreich. Thema: Das Prozedere beim Anlegen eines Venenkatheters (Venflon).
Der Vorarlberger Hygienefachmann Hirschmann: "Eine regelmäßige Surveillance (Überwachung der mikrobiellen Situation, Anm.) führen (in Österreich, Anm.) nur zwölf Prozent der Krankenhäuser durch. Das Setzen eines Venflons führte ohne handhygienische Maßnahmen bei 30,3 Prozent zu Komplikationen, mit Händewaschen bei 32,7 Prozent. Das Tragen von Handschuhen reduziert die Komplikationsrate auf 18, eine Hände-Desinfektion auf 21 Prozent."
Hälfte des Personals wäscht Hände nicht!
Die in der Praxis erfolgenden Abläufe sind laut Hirschmann offenbar bei weitem nicht optimal: "Nicht einmal die Hälfte des Personals führte eine Hände-Desinfektion durch, 16,2 Prozent trugen Handschuhe, 8,9 Prozent haben sich nur die Hände gewaschen (unwirksam, Anm.), 27 haben überhaupt nichts getan (um eine allfällige Infektion zu verhindern, Anm.)."
Viele "Ausreden", nicht über den Aufbau einer geordneten und wirksamen Spitalshygiene Bescheid zu wissen, haben die österreichischen Spitäler mit Vorlage der Leitlinie allerdings kaum mehr. Jede Investition auf diesem Gebiet zahlt sich jedenfalls aus. Mittermayer: "Eine Reduktion der Spitalsinfektionen um sechs Prozent reicht aus, um die Kosten der Krankenhaushygiene zu decken."
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