Donnerstag, 10. Oktober 2002

FORMAT: Hofbauer schreibt 3. Buch! Schock für Klestils

  • Beleidigung! 'Unsere Klestils'-Autor zu 7.000 € bedingt verurteilt
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Nicht lange konnten sich Bundespräsident Klestil und Gemahlin über den Prozess-Sieg freuen: Der Autor des Bestsellers "Unsere Klestils" wurde zwar Donnerstag Mittag zu 7.000 Euro bedingt verurteilt (wegen "Beleidigung des Bundespräsidenten", also übler Nachrede). Weil er in dem Buch ein altes Gerücht aufgegriffen hatte, wonach Thomas Klestil seine spätere zweite Ehefrau Margot Löffler-Klestil zu einer Abtreibung in die Niederlande geschickt haben soll. Dann der Schock: Laut neuem FORMAT schreibt Ernst Hofbauer bereits an seinem 3. Buch! Vielversprechender Titel: "Die Akte Klestil".

Das neue Buch, das Hofbauer über "unseren Herrn Bundespräsidenten" schreibt, verspricht jede Menge neue Enthüllungen. Eigentlich will der Autor noch nichts über den Inhalt verraten. Nur so viel: Es wird pikante Details geben", sagte Hofbauer in einem FORMAT-Interview. Das Werk soll noch vor Weihnachten auf den Markt kommen.

Ex-Leibwächter packt aus: Über Blaulicht & Trara
In FORMAT plaudert ein Ex-Leibwächter aus dem Nähkästchen: Während die Präsidenten Kirchschläger und Waldheim im Vergleich zu Klestil Sparmeister waren, änderte sich das Zeremoniell dramatisch: Selbst bei kleineren Besuchen und Ausflügen im Inland reiste plötzlich eine ganze Delegation mit. Seit Margot Klestil-Löffler gehörten "Blaulicht und Trara zur Tagesordnung." So würde die Präsidenten-Gemahlin ständig zur Eile drängen. "Wenn sie sich über den Verkehr ärgerte und forsche Bemerkungen machte wie 'Warum fahren die nicht weiter', musste ich über Funk den Befehl 'Beschleunigen an Adler 1' (den lotsenden Motorradpolizisten) geben. Dann rauschten wir mit Blaulicht und Folgetonhorn bei Rot über alle Ampeln...

Präsidenten-Prozess am Donnerstag
Beim Prozess am Donnerstag meinte Staatsanwalt Michael Klackl: "Es kann nicht sein, dass es einen gläsernen Politiker gibt, der einfach Freiwild für jeden Buchautor ist." Der 61-jährige Autor wurde nun im Wiener Landesgericht wegen übler Nachrede zu einer Geldbuße von 7.000 Euro (100 Tagessätze a 70 Euro) verurteilt, die ihm Richter Bruno Weis unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachsah.

Autor Hofbauer erbat sich Bedenkzeit
"Die Frage einer Abtreibung hat mit dem öffentlichen Leben überhaupt nichts zu tun", stellte der Richter in der Urteilsbegründung fest. Die Verteidigung hatte damit argumentiert, auch der höchstpersönliche Lebensbereich des Staatsoberhaupts sei von öffentlichem Interesse und Klestil wäre von sich aus mit seinem Privatleben in die Öffentlichkeit gegangen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Hofbauer bat um drei Tage Bedenkzeit.

Während der Staatsanwalt in seinem Plädoyer bei Hofbauer einen "Missbrauch der Meinungsfreiheit" ortete und auch bei Politikern für eine "unantastbare Privatsphäre" eintrat, behauptete Verteidiger Armstark: "Mein Mandant hat seine Überzeugung wertfrei wieder gegeben."

Demgegenüber erkannte der Richter jedoch, Hofbauer habe den Bundespräsidenten mit der Passage über die angebliche Nötigung zur Abtreibung "eines unehrenhaften Verhaltens beschuldigt, das geeignet war, diesen in der öffentlichen Meinung herabzusetzen".

Autor steht zu seiner Arbeit
"Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt", hatte der Buchautor in seiner Einvernahme deponiert. Er habe alle Spielregeln der journalistischen Sorgfaltspflicht eingehalten. Seine "politische Absicht" sei es gewesen, "ein Gesamtbild darzustellen. Dafür bitte ich um Verständnis."

Auch Ibera-Verlag wurde verurteilt
Der Ibera-Verlag, bei dem "Unsere Klestils" erschienen ist, wurde bereits im vergangenen Juni zu einer Entschädigung in der Höhe von 20.000 Euro verurteilt, weil - so die damalige Begründung - der Bestseller die Persönlichkeitsrechte des Bundespräsidenten verletze.

10.10.2002 12:57