Mittwoch, 28. August 2002

NEWS: Lucky Lus Abgang

  • Baufirma schreibt rote Zahlen - Kinocenter-Projekt abgeblasen
  • Richard Lugner spielt öffentlich mit dem Gedanken aufzuhören

Richard Lugner steckt schwer in der Krise: Der Bau seines Mega-Kinocenters wird abgeblasen, seine Baufirma schreibt rote Zahlen. Nun denkt der Unternehmer gar ans Aufhören. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, brennt es in Lugners Firmenimperium an allen Ecken und Enden. "Momentan", gesteht das Ehegespons von Christina "Mausi" Lugner, "ist die Situation alles andere als lustig."

Gegenüber NEWS offenbart Lugner, dass sein vollmundig angekündigtes Kinocenter doch nicht gebaut werden wird. Anstatt unmittelbar neben seinem Einkaufszentrum das geplante "Lugnerplex" mit elf Kinosälen und 2.020 Sitzplätzen hochzuziehen, übt sich der verhinderte Namensgeber in Schadensbegrenzung: "Wir haben neue Rentabilitätsrechnungen angestellt, und ich werde nichts riskieren, was nachher schief gehen kann."

"Bauteil IV" der "Lugner City" wackelt
Mit der definitiven Absage des Multiplex-Kinos wackelt auch der „Bauteil IV“ der "Lugner City", dessen Herzstück das "Lugnerplex" hätte werden sollen. Geplant war ein "Abend"-Einkaufszentrum mit Geschäften, Gastronomie und Entertainment, 2.450 Quadratmeter Bürofläche und 700 Quadratmeter Dachgeschoßwohnungen. Die Finanzierung des "Bauteils IV" ist nunmehr freilich völlig offen.

Probleme im Kerngeschäft
Kräftig unter die Räder gekommen ist Lugner auch in seinem Kerngeschäft. Aufgrund der flauen Auftragslage und des ruinösen Preiskampfes rasselte die Baufirma Richard Lugner im vergangenen Geschäftsjahr (es endete per 31. März) in die roten Zahlen. Bei einem Umsatzrückgang um sieben Millionen auf 51 Millionen Euro blieb unter dem Strich ein Minus von ein bis zwei Millionen. Die Konsequenz: "Wir haben die Kapazitäten zurückgefahren und ersetzen den Mitarbeiterschwund nicht."

Konkurrenz wird stärker
Am Bau leidet Lugner unter der schwachen Konjunktur. Zwar ist sein Kerngeschäft, nämlich die Altbausanierung, der Ladenbau und der Tankstellenbau, nicht wirklich von öffentlichen Aufträgen abhängig. Mangels selbiger drängten aber plötzlich Mitbewerber in das vermeintlich krisensichere Segment, das von den Großen bislang als "Gröscherlgeschäft" abgetan wurde. Zudem fiel einer der größten Lugner-Kunden, die Erste Bank, wegen fehlender Neuaufträge fast völlig aus. Dass einige Bauprojekte mangels Genehmigungen auf Eis liegen und die "Zahlungsmoral meiner Geschäftspartner immer schlechter" wird, macht das Bild nicht gerade lustiger. Lugner: "Die Bauwirtschaft ist derzeit ein Wahnsinn."

Bald in Pension?
Schließlich dürften dem für seinen Kampfgeist bekannten Unternehmer auch schön langsam die Kräfte schwinden: "Ich werde mich in spätestens zwei bis drei Jahren zurückziehen. Länger tu ich mir das sicher nicht mehr an." Mit seinen Söhnen Alexander und Andreas stünden allerdings die Nachfolger schon Gewehr bei Fuß. Ein Verkauf von Baufirma oder Shoppingcenter stehe nicht zur Diskussion.

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28.8.2002 16:00