Das Wetter spielt heuer weltweit verrückt
- Wetterkapriolen - Sturmfluten, Feuersbrünste und Dürren
Experten warnen vor Dauer-Chaoswetter in Europa. Ohne Klimawende droht auch Österreich eine stürmische Zukunft. Meteorologen lügen nicht. Sie liegen mit ihren Wetterprognosen nur manchmal weit entfernt von der atmosphärischen Realität. Vor allem in turbulenten Wetterzeiten wie diesen.
So schwante dem „Kurier“ auf der Titelseite vom vergangenen Freitag Böses: „Meteorologen fürchten das nächste Tief.“ Die Wettersituation über dem Mittelmeer, so hieß es weiter, erinnere fatal an jene Wetterlage, die später zu dem katastrophalen Hochwasser geführt hat. „Das Modell der Fünftagevorschau“, prophezeite der Salzburger Wetterforscher Michael Staudinger, „lässt Unwetter und starke Niederschläge vor allem im Zentralraum Österreichs befürchten – also in den Bundesländern Salzburg, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten.“
Meteorologen im Tief
Doch dann überlegte es sich der Himmel doch noch einmal anders, und „Ornella“ mutierte in eine unerwartete Richtung. Das von deutschen Meteorologen solcherart getaufte Mittelmeertief bog rechtzeitig nach Italien ab. Es streifte Österreich zwar im Südwesten, verschonte aber weitgehend die von den zwei verheerenden Flutwellen heimgesuchten nördlichen Landesteile.
Nur eine von zahlreichen Fehlprognosen, die den Wetterfröschen in diesem Wahnsinns-Sommer 2002 unterliefen. Am schlimmsten war das Versagen der Meteorologen vor der ersten, verheerenden Flutwelle in der ersten Augustwoche. Statt der prognostizierten „schweren Regenfälle“ gab es eine Jahrhundertflut – allerdings nicht in der Steiermark und in Kärnten, sondern im Wald- und Mühlviertel. Damit brach das Unwetter über einen Gutteil der Österreicher völlig überraschend herein. Auch die Einsatzkräfte hatten keine Zeit mehr für mögliche Vorsorgemaßnahmen.
Duell der Wetterfrösche
Christian Brandstätter, Chef des privaten Wetterdienstes Meteo-data: „Auch der ORF hat die Katastrophe verschlafen, dabei wären die Ereignisse bereits zwei Tage vorab für jeden seriösen Meteorologen zu erkennen gewesen.“ Bei so dramatischen Wetterereignissen hätte man auch Fernsehsendungen unterbrechen müssen, ähnlich wie beim GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl, kritisiert Brandstätter. Seither ist das Image der Branche jedenfalls bei den meisten Österreichern unten durch, und die Wetterfrösche in Deutschland wie in Österreich liegen in einem veritablen Streit.
Andreas Jäger, Wettermann des Radiosenders Ö3, versucht sich in Schadensbegrenzung: „Gerade bei Niederschlägen übertreiben die Wettermodelle sehr oft. Da muss man schon sehr mutig sein, eine Jahrtausendflut vorherzusagen. In der Wetterprognose gilt der Spruch: Wer zu oft warnt, dem glaubt man nicht.“
Auch Christoph Kress, stellvertretender Leiter der Prognoseabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik an der Wiener Hohen Warte, gibt sich selbstkritisch: „Wir haben zwar die starken Regenfälle richtig vorhergesagt, aber die exakte Lokalisierung ist uns missglückt. Wir haben wirklich nicht vorhersehen können, dass sich ein derartiger Zyklon gerade im Wald- und Mühlviertel festsetzen wird.“
Autoren: A. Linhart, Ch. Neuhold
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