Cybertron-Halbjahr von Insolvenz überschattet
- Aufgabe des Sprachtelefonie-Geschäft ließ Ergebnis einbrechen
- KSV: Annahme des Ausgleichs noch offen
Der insolvente Wiener Telekombetreiber CyberTron hat im ersten Halbjahr 2002 schwere Verluste hinnehmen müssen: Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), das im ersten Quartal erstmals positiv war, ist im zweiten Quartal wieder massiv eingebrochen - auf minus 3,3 Mio. Euro. Für das gesamte Halbjahr ergab sich daraus ein EBITDA von minus 3 Mio. Euro, nach minus 3,6 Mio. Euro in der ersten Hälfte 2001. Der Umsatz ist in den ersten sechs Monaten von 36,4 auf 25,2 Mio. Euro deutlich geschrumpft, geht aus einer Unternehmensmitteilung vom Dienstag hervor.
Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens Ende Juni führte zudem zu drastischen Wertberichtigungen in der Bilanz. Das Unternehmen hat wie berichtet mit der Insolvenz die Aufgabe des gesamten Geschäftsbereichs Sprachtelefonie beschlossen. Dies habe bereits im ersten Halbjahr 2002 zu massiven außerplanmäßigen Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Firmenwerte (3,8 Mio. Euro) und Sachanlagen (23,6 Mio. Euro) sowie zu einer vollständigen Abschreibung latenter Steuern (12,3 Mio. Euro) geführt, so CyberTron weiter.
EGT verschlechtert sich auf 55,6 Mio. Euro
Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) verschlechterte sich damit im ersten Halbjahr von minus 14,5 auf minus 55,6 Mio. Euro, der Verlust je Aktie von 1,10 auf 4,15 Euro. In den letzten Wochen seien nun Maßnahmen gesetzt worden, "die einen Fortbestand des Unternehmens mit stark reduziertem Geschäftsumfang ermöglichen könnten", so der Vorstand.
Annahme des Ausgleichs noch offen
Ob das Unternehmen tatsächlich den Ausgleich schaffen wird, ist nach Ansicht des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) allerdings offen. "Das lässt sich noch nicht beurteilen", sagte KSV-Insolvenzspezialist Christoph Vavrik heute. Derzeit laufen laut Vavrik Verhandlungen mit den Großgläubigern. Die Summe der angemeldeten Forderungen ist weiter unbekannt. Nach eigenen Angaben ist CyberTron bei rund 460 Gläubigern insgesamt mit knapp 61 Mio. Euro verschuldet. Zur Erfüllung des Ausgleichs muss CyberTron - wie angeboten - 40 Prozent seiner Schulden zurückzahlen.
Frist: 26. September
Die erste Ausgleichstagsatzung ist für 10. September 2002 angesetzt. Danach kann per Gesetz noch bis 26. September über einen Ausgleich verhandelt werden. Der CyberTron-Vorstand gab sich heute zuversichtlich: Bis 10. September werde man "voraussichtlich sowohl einen Plan über die Erfüllung des Ausgleichs als auch für die Fortführung des Unternehmens vorstellen".
CyberTron-Aktie notiert bei 18 Cent
Die CyberTron-Aktie notierte heute Vormittag (10 Uhr) bei 18 Cent, 3 Cent oder 20 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages. Sein Allzeithoch hatte der Telekomwert im März 2000 bei 104,66 Euro markiert.
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