Mauer in französischer Stadt trennt Arm & Reich
- "Klassenkampf" auf Französisch

Unglaublich! In der französischen Kleinstadt Douai fühlen sich einige reiche Familien offenbar von ihren ärmeren Nachbarn belästigt. Promt ließ der Bürgermeister einen massiven 2 Meter hohen Zaun hochziehen, der die beiden Wohngebiete voneinander trennt. Nun laufen die Anrainer gegen diese "Schandmauer" Sturm. Das Stadtoberhaupt rechtfertigt sich: "Es gab nächtliches Geschrei, sogar mit Drogen wurde gehandelt. Wir sind doch hier nicht in Chicago."
Früher brauchte Brigitte Robillard nur ein paar Minuten bis zum Supermarkt. Auch der Bus, der ihre Kinder zur Schule bringt, hält nur wenige Schritte von der Wohnung entfernt. Jetzt muss Madame Robillard ihre Einkäufe kilometerweit schleppen, und der Weg zur Schule kostet viel mehr Zeit. Denn Arm und Reich sind in dem kleinen nordfranzösischen Städtchen Douai seit kurzem durch ein langes, grünes, zwei Meter hohes Eisengitter voneinander getrennt.
Schmucke Häuser, gepflegte Vorgärten und saubere Gehsteige auf der einen, sozialer Wohnungsbau auf der anderen Seite. Und mittendrin Bürgermeister Bernard Wagon, der die Gemeinde spalten ließ.
"Wir hatten keine andere Wahl", erzählt er. Seit Jahren schon hätten sich die Hausbesitzer im wohlhabenderen Stadtteil Cuincy durch Kindergeschrei und nächtliche Ruhestörer aus den benachbarten Wohnblocks belästigt gefühlt. "Wir haben es immer wieder im Guten versucht", berichtet ein Anrainer. "Aber geändert hat sich nichts. Wir konnten kaum noch schlafen, sogar mit Drogen haben sie gehandelt. Wir sind doch hier nicht in Chicago."
Betroffene sprechen von sozialem Rassismus
Madame Robillard ist empört: "Welch eine Erniedrigung", schimpft sie, "niemand hat uns vorgewarnt. Arm und Reich so zu trennen, das ist doch sozialer Rassismus". Schon 200 Unterschriften hat die energische Hausfrau gesammelt, um gegen die "Schandmauer" zu protestieren. "In Europa fallen die Grenzen, und wir leben hier wie im Getto", meint ein Nachbar. "Dieses Gitter ist ein Symbol für den Egoismus unserer Gesellschaft." Ganz besonders schlimm sei die Barriere für Familien ohne Autos und für die Alten.
Nur 7 reiche Familien initiierten "Schandmauer"-Bau
Eigentlich waren es nur sieben einflussreiche Familien in Cuincy, die den Bürgermeister zu der umstrittenen Entscheidung bewegen konnten. Andere Hausbesitzer reagieren verständnislos: "Natürlich wurde hin und wieder mal ein Blumenkübel gestohlen", erzählt zum Beispiel Claude Marton, der schon 15 Jahre hier wohnt. "Ab und zu gab's auch mal Lärm, aber man sollte das Ganze nicht übertreiben." Nur wegen einiger Raufbolde dürfe man keine ganze Stadt bestrafen.
Charles Rojzman, französischer Soziologe, Autor und Experte für Konfliktmanagement in den Städten, hält den Fall für symptomatisch: "Die Reichen haben Angst und werden immer intoleranter, die anderen vergessen die elementaren Regeln sozialen Verhaltens. Anstatt miteinander zu reden, wird eine kollektive Paranoia geschürt." Im übrigen verlagere sich die Tendenz zur Absonderung, die in den USA schon weit vorangeschritten sei, vom sozialen zunehmend in den ethnischen Bereich, meint Rojzman.
Bürgermeister: "Wurde falsch interpretiert"
Bürgermeister Wagon ist die ganze Aufregung um das geteilte Städtchen auf den Magen geschlagen: Seine Entscheidung sei einfach falsch interpretiert worden, meint er. "Wenn wir das Gitter aber wieder abreißen, beginnen die Probleme von vorn." Eine Lösung hat er auch schon parat: Er will eine Tür in die grüne Grenze bauen lassen - geöffnet zwischen 6.00 und 20.00 Uhr.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Mordalarm in Wien12:03
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache
