Kroatische Fischer drohen Slowenien mit Verminung
- Bei Abtretung von Gewässern an Zagreb

Der slowenisch-kroatische Grenzkonflikt um die Adriabucht von Piran spitzt sich weiter zu. Kroatische Fischer haben angekündigt, die Einfahrt ihrer slowenischen Kollegen in angeblich kroatische Gewässer künftig auch mit Gewalt verhindern zu wollen, sollten die Behörden in Zagreb weiter untätig bleiben. Bei einer Abtretung an Slowenien wollen kroatische Fischer das gebiet sogar verminen.
"Es ist offensichtlich, dass die Polizei nicht ihre Arbeit macht und deshalb werden wir selbst dorthin gehen müssen und die Sache lösen müssen", wird der Vorsitzende der Fischer aus dem kroatischen Buje, Daniele Kolec, von der Zagreber Tageszeitung "Jutarnji list" (Sonntagsausgabe).
Man sei im Extremfall sogar bereit, die umstrittenen Meeresgebiete bei einer Abtretung an Slowenien mit Minen zu bestücken, wird der kroatische Fischer Danilo Latin von der Tageszeitung "Nedjeljni Vjesnik" (Sonntagsausgabe) zitiert. Bis zu einem Treffen mit dem kroatischen Außenminister Tonino Picula am Mittwoch werde man aber keine spektakulären Aktionen starten, berichten kroatische Medien nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA weiter. Die Geduld der kroatischen Fischer sei aber nach 290 Grenzzwischenfällen in der Bucht von Piran zu Ende.
Wieder Grenzzwischenfall am Wochenende
Auch am Samstag habe es wieder einen Zwischenfall gegeben, bei dem ein slowenisches Fischerboot in von Kroatien beanspruchte Gewässer eingefahren sei. Seit Wochen stehen solche Zwischenfälle auf der Tagesordnung. Auch Laibach wirft Zagreb Grenzverletzungen vor, weil Polizeiboote die slowenischen Fischer im umstrittenen Territorium abgefangen hätten.
Während Kroatien bis zu einer endgültigen Festlegung des Grenzverlaufs auf einer Teilung der Bucht zur Mittellinie beharrt, beruft sich Slowenien auf die lang geübte Praxis und das von den Regierungen beider Staaten ratifizierte Grenzabkommen aus dem Vorjahr. Demnach kontrollieren die Behörden in Laibach mehr als zwei Drittel der Bucht. Das Grenzverlaufsabkommen hat im kroatischen Parlament aber keine Aussicht auf eine Ratifizierung. Seit 1991 sind die Bemühungen der beiden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken zur Bestimmung des Grenzverlaufs erfolglos geblieben.
Slowenischer Lokalpolitiker weiter im Hungerstreik
Unterdessen setzt der slowenische Lokalpolitiker Josko Joras seinen Hungerstreik im kroatischen Gefängnis von Pula fort. Joras war am Mittwoch beim Übertreten der kroatischen Grenze in der Nähe der Bucht von Piran verhaftet worden. Wegen Nichtbegleichung von sechs Geldstrafen aus dem Jahr 1999 wurde der Gemeinderat der slowenischen Küstenstadt Piran von einem Schnellrichter in Pula zu dreißig Tagen Haft verurteilt. Am Donnerstag trat er in den Hungerstreik.
Joras wohnt im Ort Mlini am linken Ufer des in die Bucht mündenden Flusses Dragonja. Mlini wird wie zwei weitere Dörfer an der Dragonja von Slowenien beansprucht, de facto aber von Kroatien verwaltet. Es ist von Slowenien aus nur nach Passieren eines kroatischen Grenzüberganges zugänglich. Joras bekämpft die kroatische Souveränität mit allen Mitteln und ließ an seinem Haus eine slowenische Fahne und die Aufschrift "Auch hier ist Slowenien" anbringen. In den Gemeinderat von Piran wurde er als Bewohner von Mlini gewählt.
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