Mittwoch, 28. August 2002

"Siegfriedskopf" in Wiener Uni erneut beschädigt

  • Unbekannte deckten Denkmal mit Säure-Tuch zu

Kurz nach Abschluss der Restaurierung des umstrittenen "Siegfriedskopfs" in der Aula der Universität Wien ist das symbolträchtige Denkmal erneut beschädigt worden. Unbekannte Täter hätten den "Siegfriedskopf" am Montag mit einem in Säure getränkten Tuch überdeckt, teilte die Universität am Mittwochnachmittag in einer Aussendung mit.

Der Grad des Schadens steht noch nicht fest, die Uni-Leitung hat bereits eine Anzeige wegen Sachbeschädigung eingebracht. Zuletzt war dem "Siegfriedskopf" im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen freiheitlichen Studenten und vermummten Demonstranten während der Demos am 8. Mai die Nase abgeschlagen worden.

Spezialisten des Bundesdenkmalamts sollen nun eine Analyse über den Grad des Schadens und die Tiefe der Säureeinwirkung vornehmen. Aus diesem Grund wird ab Freitag um den "Siegfriedskopf" eine Arbeitseinhausung aufgestellt.

Der "Siegfriedskopf" wurde am 9. November 1923 in der Aula der Universität Wien von der "Deutschen Studentenschaft" als Gefallenendenkmal aufgestellt. Der Marmorsockel trägt die Inschriften "Ehre, Freiheit, Vaterland", "Den in Ehren gefallenen Helden unserer Universität" und "Errichtet von der Deutschen Studentenschaft und ihren Lehrern". Diese Gruppe war seit 1919 der Dachverband aller reichsdeutscher, sudetendeutscher und österreichischer Studenten, die Mitgliedschaft an "deutsche Abstammung und Muttersprache" gebunden.

Nach Ansicht von Burschenschaftern handelt es sich beim "Siegfriedskopf" ausschließlich um ein Heldendenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Gegner sehen darin allerdings ein Symbol für rechtes und rechtsextremes Gedankengut an den Unis.

28.8.2002 16:25