Mittwoch, 21. August 2002

Hochwasser - Wein wird weder knapp noch teurer

  • Hagelfolgen übertreffen Schäden durch Hochwasser bei weitem

Die Winzer beruhigen: Die Überschwemmungs-Katastrophe wird die heurige österreichische Weinernte nicht wesentlich in Mitleidenschaft ziehen. Obwohl die Flut schwerpunktmäßig Weinbaugebiete wie Wachau, Kamptal und Donauland betroffen hat, wird der heimische Rebensaft heuer weder knapp noch teurer, sagte Josef Pleil, Präsident des Weinbauverbandes.

Durch die Hagelfälle im Frühsommer sind etwa zehn Mal so viele Weinbauflächen geschädigt worden wie durch die Überschwemmungen.

Durch die ausgedehnten Hagelfälle in nahezu allen Weinbaugebieten wurden etwa 5.000 Hektar, rund 10 Prozent der bebauten Fläche in Mitleidenschaft gezogen. Den Schaden dadurch bezifferte Kurt Weinberger, Chef der Österreichischen Hagelversicherung, mit rund 4 Mill. Euro.

Genauere Einschätzungen der durch das Hochwasser entstandenen finanziellen Schäden werden erst in einigen Wochen vorliegen. Größenordnungsmäßig geht Pleil in der Wachau von rund 150 Hektar unterschiedlich stark betroffener Pflanzfläche und von etwa 300 bis 400 Hektar im Kamptal aus. Zusammen mit den im Donauland betroffenen Weingärten sind damit vom Hochwasser nur ein bis eineinhalb Prozent der mit Wein bebauten Nutzfläche betroffen - nur zum kleineren Teil schwer. In anderen Gegenden wie etwa im Burgenland seien die Niederschläge gerade recht gekommen, um eine "gute pflanzliche Entwicklung" zu gewährleisten, sagte Pleil.

Kamp-Winzer in Existenz bedroht
Regional gesehen seien etwa im unteren Kamptal etliche Winzer "existenziell bedroht", sagte Pleil. Am Fluss gelegene Weingärten seien dort teilweise "Totalschäden", Häuser und Keller seien unter Wasser gestanden. In der Wachau seien durch den starken Niederschlag Trockenmauern zusammengebrochen, die rasch repariert werden müssten. In den Überschwemmungsgebieten drohten den Weinstöcken durch die hohe Feuchtigkeit außerdem Krankheiten. Diesen soll nun mit einer Spritzmittelaktion vorgebeugt werden.

Durch die Überschwemmung vernichtete Weingärten sind auch nicht von etwaigen Mehrfachpolizzen der Hagelversicherung abgesichert - diese deckt günstigstenfalls den durch das Naturereignis eingetretenen Ernteausfall. Entschädigung für vollkommen zerstörte Weingärten muss aus dem Katastrophenfonds kommen - ebenso wie die Entschädigung für überflutete Weinkeller und Wirtschaftsgebäude. Für die Sanierung der Wachauer Terrassenmauern seien bereits vor der Überschwemmung 81 Kilometer angemeldet gewesen - nun kommen noch einige weitere Kilometer dazu. Die Mauer-Sanierung erfolgt laut Pleil im Zug der im vergangenen Jahr begonnenen großen Umstrukturierungsaktion, mit der der österreichische Weinbau konkurrenzfähiger gemacht werden soll.

21.8.2002 12:54
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