Mittwoch, 21. August 2002

Hermanns Härtetest: Unfall mit Positiv-Effekt

  • Die Bilder: Vom Unfall bis zum Comeback

Ein Jahr danach: Am 24. August 2001 landete der Herminator in Radstadt schwerstverletzt im Straßengraben.
Comebackversuch: In Portillo fuhr der Skistar erstmals im Renntempo. Nach Bestzeiten erwischte es ihn wieder.

Mittwoch, 14. August, knapp nach halb zwölf Uhr Mittag Ortszeit in den chilenischen Anden. Hermann Maier geht in Position, pustet noch einmal lautstark die Luft aus seiner Lunge, dann katapultiert er sich kraftvoll von der Startrampe in rund 3.400 Meter Seehöhe. In seinem unverkennbaren Fahrstil sticht er den mörderisch steilen Hang der Piste „Descenso“ hinunter. Tief gebückt, breitspurig, wie in seinen besten Zeiten zischt der 29-jährige Flachauer fast spielerisch durch die Tore. Dann die letzte Kante, die mitlaufende Videokamera zeigt exakt 12.33 Uhr: Maier hebt ab, gerät bei der Landung nach dem 50-Meter-Sprung in extreme Rückenlage, es verschlägt ihm den rechten Ski, nur mit Mühe kann er einen schweren Sturz vermeiden. Nach wenigen Metern schwingt der Herminator ab und greift sich ans rechte Bein. „Ich hab sofort gewusst, dass da etwas passiert ist“, sagt er später.

Egal, wo er hinkommt, Maier sorgt immer für Schlagzeilen. So auch beim Schneetraining der österreichischen Skiherren in Portillo. Eigentlich wollte der Doppelweltmeister und dreifache Weltcupsieger länger im südamerikanischen Winter bleiben, um intensiv an seinem Comeback zu arbeiten. Doch nach dem „Trainingsausrutscher“ musste der Salzburger eine Woche früher als geplant die Heimreise antreten.

Schmerzhafte Zerrung
„Alles halb so schlimm“, erklärt Maier nach der Untersuchung durch seinen Leibarzt Artur Trost zwei Tage später daheim im Salzburger UKH, wo eine Quetschung im hinteren Bereich des lädierten Unterschenkels sowie eine Muskelzerrung im Schienbein diagnostiziert wurden. Zwei bis drei Wochen darf er jetzt nicht in den Skischuh steigen, um die angeschlagene Muskel- und Hautpartie nicht zusätzlich zu reizen. Fünf Tage intensive Physiotherapie sollen dafür sorgen, dass die „klassische Schuhrandprellung“ (Maier-Arzt Trost) schnell wieder abheilt. Am Samstag geht’s mit Trainer Heini Bergmüller dann eine Woche lang zum Konditionstraining irgendwohin in den Süden. Und da wird er auch schon wieder kräftig in die Pedale treten. Danach folgen in Obertauern mehrere Einheiten Krafttraining, bevor der Herminator spätestens in drei Wochen auf einem Gletscher in Europa wieder auf Skiern unterwegs ist.

Heiß auf Schnee
Der Chile-Trip hat ihm jedenfalls wichtige Erkenntnisse für die Rückkehr in den Skirennsport gebracht. Bereits am 3. August, sechs Tage früher als seine Teamkollegen, war Maier nach Südamerika geflogen. An seiner Seite ÖSV-Trainer Andi Evers: „Hermann war schon richtig heiß auf den Schnee, darum wollten wir auch keine Zeit verlieren.“ Nach einer kurzen Akklimatisierungsphase – der Zeitunterschied zu Österreich beträgt sechs Stunden – startete Maier sein Programm. Die ersten Tage war freies Skifahren angesagt. Und schon da zeichnete sich ab, dass es Maier viel besser als erwartet geht. Der nach seinem schweren Motorradunfall vor einem Jahr operierte rechte Fuß machte keine nennenswerten Probleme. Maier: „Die ersten Tage hatte ich überhaupt keine Schmerzen, erst später ist der Fuß durch die Belastungen etwas angeschwollen.“

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    21.8.2002 14:32