Bank Berlin-Dekabel weitet sich zu Bilanzskandal aus
- Wirtschaftsprüfer und Bankenaufsicht unter massiver Kritik
- Auch Berliner Spitzenpolitiker unter Druck
Das Milliardendebakel der Bankgesellschaft Berlin weitet sich möglicherweise zu einem in der deutschen Finanzgeschichte einmaligen Bilanzskandal aus. Jetzt sind auch Wirtschaftsprüfer und die Bankenaufsicht in massive Kritik geraten. Auch Berliner Spitzenpolitiker wie der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und der jetzige Amtsinhaber Klaus Wowereit (SPD) stehen unter Druck.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO hat am Freitagabend den Vorwurf der falschen Testierung von Bilanzen der schwer angeschlagenen Berliner Bankgesellschaft zurückgewiesen.
Die Vorwürfe entbehrten "nachweisbar jeglicher Grundlage", heißt es in einer Stellungnahme. Die BDO teilte weiter mit, dass sie die in Frage stehenden Unterlagen sorgfältig prüfen werde und die Punkte in der nächsten Woche ausführlich widerlegen werde. Da die Vorgänge gut fünf Jahre zurückliege, benötige die BDO zur genauen Dokumentation etwas Zeit.
Nach einem am Donnerstagabend bekannt gewordenen Sonderbericht aus dem Jahr 1997 sollen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und die Bank-Tochter IBG schon damals über die hohen Immobilienrisiken und gravierende Mängel informiert gewesen sein. BDO hat nach Informationen des "Handelsblatt", des ARD-Magazins "Kontraste" und der SFB-Abendschau aber Warnungen ignoriert und Bilanzen wissentlich falsch testiert. Auch die Bankenaufsicht habe nicht eingegriffen. Diepgen und später Wowereit seien informiert gewesen.
Die Immobilienrisiken hatten die mehrheitlich landeseigene Bankgesellschaft in erhebliche Schieflage gebracht. Nur durch eine Milliarden-Finanzspritze und eine Übernahme der Altrisiken in Höhe von bis zu 21 Milliarden Euro durch das Land war das Aus des Instituts mit noch 15.000 Beschäftigten abgewendet worden.
Den Presseberichten zufolge sollen BDO und die Führung der IBG von einem externen Prüfer bereits 1997 über die unkalkulierbaren Risiken der Fondsgesellschaften informiert gewesen seien. Wirtschaftsprüfer Achim Walther habe in einer Sonderprüfung festgestellt, dass die IBG durch unrealistische Mietgarantien zu hohe Risiken eingegangen war. Nachdem Walther Alarm geschlagen hatte, habe er seinen Prüfauftrag verloren und seine Studie sei in der Schublade verschwunden.
Walther hatte Ende 2001 auch an Wowereit geschrieben. Dieser wies den Vorwurf zurück, er habe Informationen zurückgehalten. Wowereit erklärte, "der Brief von Herrn Walther ist bei uns Ernst genommen worden". Er sei im Dezember bei der Senatskanzlei eingegangen und nach Abzeichnung an die Finanzverwaltung weitergeleitet worden.
Es sei damals längst bekannt gewesen, dass es Probleme bei den Prüfungsgesellschaften gegeben habe, sagte Wowereit. Auch das Gutachten sei damals bekannt, Schadenersatzansprüche bereits ein Thema gewesen. Ob die damaligen Aufsichtsräte, die der SPD angehörten, über das Gutachten informiert waren, könne er ich nicht sagen, erklärte Wowereit. "Ich unterstelle mal, dass das im Aufsichtsrat kein Thema war, weil es nicht bekannt war."
Der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Bankenaffäre will in zwei Wochen nun auch den Prüfer Walther anhören. Dann werde sich entscheiden, ob weitere Berliner Politiker vorgeladen werden.
Die Bankgesellschaft prüft Schadenersatzansprüche gegen Ex-Manager sowie gegen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Nach Angaben des seit Ende 2001 amtierenden Bankchefs Hans-Jörg Vetter liegen erste Ergebnisse der Prüfungen durch Rechtsanwälte vor. BDO sei seit Anfang dieses Jahres nicht mehr für die Bankgesellschaft tätig. Nach Darstellung des "Handelsblatts" drohen BDO Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe, da die Haftung nur bei Fahrlässigkeit begrenzt sei.
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