Lufthansa auf Kurs aus der Krise
- Kapazitäten werden wachsender Nachfrage angepasst
Die Lufthansa ist nach dem Sturz in die roten Zahlen 2001 dank harter Einsparungen wieder auf dem Kurs aus der Krise. Unter dem Strich sollen noch 2002 schwarze Zahlen stehen, wie Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley am Mittwoch sagte. Von jänner bis Juni schraubte der Konzern den operativen Gewinn auf 332 Mill. Euro. Knapp ein Jahr nach den Terroranschlägen in den USA ist das besser als im Vorjahreszeitraum mit 105 Mill. Euro. Für das Gesamtjahr werden weiter "mindestens 500 Mill. Euro" angepeilt. Billigfliegern in ihrem Heimatmarkt sagt die Lufthansa derweil den Kampf an.
Für 2002 will die Lufthansa AG, die Dividendenzahlung wieder aufnehmen. Das Unternehmen gehe weiterhin davon aus, das laufende Geschäftsjahr deutlich besser abschließen zu können, als es zu Jahresbeginn abzusehen war. heißt es im Halbjahresbericht. Das Unternehmen hatte zuletzt im Jahr 2000 eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie ausgezahlt.
"Unser Kapazitäts- und Kostenmanagement hat sich als der richtige Kurs erwiesen", sagte Vorstandschef Jürgen Weber. Weil die Passagier- Zahl wegen der weiter schwachen Wirtschaftslage um neun Prozent auf 21 Millionen sank, kappten die Planer das Sitzplatzangebot um 10 Prozent. Investitionen wurden massiv zurückgefahren. Die Ausgaben für Kerosin sanken wegen stillgelegter Jets und niedrigerer Preise um 22,4 Prozent auf 636 Mill. Euro. Das Management habe die Kosten überzeugend in den Griff bekommen, sagte Analyst Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank. Die Börse honorierte dies bis Mittwochnachmittag in Frankfurt mit einem kräftigen Plus für die Aktie von 8,72 Prozent auf 13,21 Euro.
Mit ihrer ausdrücklich "konservativen" Ergebnisprognose sieht sich die Konzernspitze auf der sicheren Seite. Kalkulierbare Risiken seien eingerechnet und auch, dass sich die Konjunktur womöglich erst später beleben sollte. Bei anziehender Wirtschaft sei sogar ein besseres Ergebnis machbar. Selbst wenn der Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2001 wegen des damaligen Pilotenstreiks verzerrt ist: Schneller als von vielen erwartet, will die Lufthansa wieder durchstarten. Die deutsche Airline war im Krisenjahr 2001 erstmals seit acht Jahren in die roten Zahlen geraten. Nach Steuern stand ein Verlust von 633 Mill. Euro.
Fuß bleibt auf der Kostenbremse
Auch in den kommenden Monaten soll der Fuß auf der Kostenbremse bleiben, die Kapazitäten sollen nur behutsam einer wachsenden Nachfrage angepasst werden. Im Vordergrund stehe, flüssige Mittel zu erwirtschaften, kündigte Finanzvorstand Kley an. Damit soll der durch Zukäufe gewachsene Schuldenberg abgetragen werden. Der Verkauf von Anteilen des Express-Dienstleisters DHL an die Post spült noch einmal 400 Mill. Euro in die Konzernkasse.
Im ersten Halbjahr flogen die Passagier- und Frachtjets sowie die Technik Gewinne ein und sollen auch im Gesamtjahr zulegen. Hoffnung auf einen positiven Ergebnisbeitrag ihrer Touristiktochter Thomas Cook macht sich die Lufthansa dagegen nicht mehr. Der zweitgrößte deutsche Reisekonzern ("Neckermann") brachte wegen schwacher Buchungen 144 Mill. Euro Verlust (Vorjahr: minus 93 Mill. Euro) in die Bilanz ein. Die Verpflegungstochter LSG Sky Chefs schreibt noch rote Zahlen, soll aber am Ende ein ausgeglichenes Ergebnis schaffen. Der Umsatz von jänner bis Juni stieg wegen neu einbezogener Konzernteile um 4,7 Prozent auf 8,17 Mrd. Euro.
Den schärferen Wettbewerb mit den Billigfliegern fürchtet die Lufthansa nicht. Forschen Konkurrenten an großen deutschen Flughäfen will der Branchenprimus hart entgegentreten. "Wer uns in unserem Stammgeschäft angreifen will, muss sich warm anziehen", sagte Kley. Die nächste Probe für den Kurs der Kostensenkung steht dem Vorstand im Herbst ins Haus. Dann geht es in Tarifverhandlungen um mehr Geld für über 50.000 Beschäftigte am Boden und in den Kabinen.
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