Mittelosteuropa: Hoffen auf zweistellige Zuwachsraten
- Zinsspanne im ersten Halbjahr auf 2,06 Prozent verbessert
Die Erste Bank erwartet in Mittelosteuropa in den kommenden Jahren zweistellige Zuwachsraten. Die Nachfrage nach Bankdienstleistungen in der Region sei hoch, so Erste Bank-Generaldirektor Andreas Treichl am Dienstag bei der Halbjahrespressekonferenz. In den EU-Ländern würden doppelstellige Wachstumsraten kaum erzielbar sein.
Das Engagement der Erste Bank in Mittelosteuropa (CEE), das vor einigen Jahren noch als Risiko betrachtet worden sei, trage derzeit angesichts der nicht sehr erfreulichen Situation in Österreich zur Absicherung der Ergebnisse bei.
Die Risikosituation in Österreich sei nicht einfach, die Jahre 2001 und 2002 für Banken in der EU extrem schwierige Jahre. Es sei zu hoffen, dass sich die Situation Anfang 2003 wieder bessere. Die Risikovorsorgen der Erste Bank werden heuer voraussichtlich wieder auf Vorjahresniveau liegen, um rund 40 Prozent höheren Vorsorgen in Österreich stehen dabei Auflösungen bei der Tschechien-Tochter Ceska Sporitelna (CS) gegenüber.
Besser als in Österreich fällt in CEE auch die Zinsspanne aus, die in der Erste Bank-Gruppe im ersten Halbjahr mit 2,06 Prozent erstmals seit zehn Jahren wieder eine zwei vor dem Komma aufgewiesen habe. In Österreich lag sie bei 1,45, während es in Tschechien 3,1 und in der Slowakei 3,4 Prozent waren. Allerdings habe es in Österreich bei den Großkunden in den vergangenen Monaten ebenfalls Anpassungen der Zinsspanne an das europäische Niveau gegeben.
Die Stärke der Erste Bank-Gruppe liege darin, dass sie in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Kroatien auf dieselbe Struktur abziele wie in Österreich und stark im Retailgeschäft verankert sei. Was in Österreich mit der Sparkassen-Gruppe gelungen sei - die Vereinheitlichung der IT-Systeme, mit denen alle Dienstleistungen innerhalb der Gruppe angeboten werden können -, soll mittelfristig auch in CEE passieren. Derzeit stärkstes Wachstumsgeschäft seien derzeit etwa in Tschechien Wohnbaukredite, im Provisionsgeschäft seien es die Lebensversicherungen.
CS im Aufwind
Die CS wird noch heuer deutlich mehr zum Ergebnis der Erste Bank beitragen, ab dem vierten Quartal wird der auf rund 95 Prozent erhöhte Anteil an der tschechischen Großsparkasse zur Gänze im Quartalsergebnis wirksam. Im ersten Halbjahr wird für die CS in der Segmentberichterstattung der Erste Bank-Gruppe ein Vorsteuerüberschuss von 141,8 (33,1) Mill. Euro und ein Konzernüberschuss von 44,2 Mill. Euro, nach einem Minus von 1,3 Mill. Euro ausgewiesen. Für die Slovenska Sporitelna (SLSP) wird ein Überschuss vor Steuern von 22,5 (20,5) Mill. Euro und ein Konzernüberschuss von 6,5 (11,0) Mill. Euro genannt. Die kroatische Rijecka banka, die mit zwei Monaten in den Konzernzahlen enthalten ist, trage bereits positiv zum Ergebnis bei.
Keine Übernahmegefahr
Als Übernahmekandidaten sieht der Erste-Chef sein Institut nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank übernommen werde gehe zum derzeitigen Zeitpunkt "gegen Null", so Treichl unter Hinweis auf die im Vergleich zu anderen europäischen Banken relativ gute Aktienkursentwicklung.
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