Microsoft stellte auf Linux-Messe aus
- Mehr Anzugträger als Computer-Freaks

Vorbei ist's mit dem speziellen Hacker-Flair bei Linux. "Auf der ersten Messe waren vor allem Freaks. Dann kamen einige Jahre Freaks und Anzugträger. Und jetzt gibt es mehr Anzugträger als Freaks", sagt eine Sprecherin der Messe "LinuxWorld" in San Francisco, die es seit 1999 gibt. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, war in diesem Jahr auch noch Erzrivale Microsoft mit einem Messestand vertreten!
Stand 1390, wenige Meter von IBM und SuSE Linux entfernt, warb für den Windows-Konzern - auch wenn die offizielle Liste der Aussteller den Vermerk enthielt: "Dieser Aussteller ist gegenwärtig keiner Produktkategorie zugeordnet."
Einige Anhänger von Linux irritiert diese Entwicklung. Die äußerlichen Veränderungen zeigen aber sehr gut die Veränderungen, die Linux in den vergangenen Jahren durchgemacht hat: vom Betriebssystem für Hacker und Akademiker zum ernsthaften Konkurrenten für Microsoft und dessen Windows-Betriebssysteme. 1992 wurde Linux von weltweit 1.000 Menschen eingesetzt. Heute sind es nach einer Schätzung der Marktforschungsfirma A.D.H. Brown Associates bereits 20 Millionen.
Vorinstallierte Linux-Pakete
Der US-Handelskonzern Wal-Mart bietet im Internet inzwischen schon Computer mit vorinstalliertem Linux für 299 Dollar an; viele Großunternehmen stellen ihre Geschäftstrategie auf Linux ab und Analysten halten das freie Betriebssystem, das Vorzeigeprojekt der Open-Source-Bewegung, inzwischen für so ausgereift, dass sie es als Unternehmungsanwendung einzustufen.
Selbst Sun Microsystems, das mit Solaris auch noch sein eigenes Unix-Betriebssystem verkaufen will, passt sich dem Linux-Trend an. Firmenchef Scott McNealy kündigte auf der Messe an, dass es bald auch Linux-Server von Sun geben werde. IBM ist da schon sehr viel weiter: Die Nummer eins der Branche betreut nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 4.600 Linux-Projekte bei Kunden. Warum Linux so attraktiv ist, zeigt sich bei IBM selbst. Durch die Umstellung des internen E-Mail-Verkehrs auf Linux-Rechner spart die Firma nach eigenen Angaben mehr als zehn Millionen Dollar (10,21 Mill. Euro) im Jahr.
Linux ist Spaß
Bei aller Skepsis, mit der viele Linuxer diese Entwicklung betrachten, überwiegt doch der Optimismus. Im Unterschied zu anderer Software sei Linux einfach Spaß. "Linux ändert sich nicht, weil die Menschen, die es benutzen, es auch lieben", sagt der 18-jährige Zack Morris, der nie in seinem Leben Windows auf seinen Computer lassen will. Windows sei wie das Fahren eines Automatik-Wagens, sagt er. Es macht einfach nicht so viel Spaß wie das Fahren mit einer Schaltung. Und wer einmal mit Schaltung gefahren sei, wolle nie wieder etwas anderes.
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