Sonntag, 25. August 2002

Slowakischer Präsident Schuster aus AKH entlassen

  • Reaktion auf heimische Kritiker: "Vorspiel zu EU-Mitgliedschaft"
  • Behandelnder Arzt: "Eine Vergiftung ist unwahrscheinlich"

Der slowakische Präsident Rudolf Schuster hat am Donnerstag nach einem zweitägigen Aufenthalt im Allgemeinen Krankenhaus auf kritische Stimmen aus seiner Heimat reagiert. "Meine Behandlung in Wien ist als Vorspiel zu sehen, wie das Leben aussehen wird, wenn wir einmal in der EU sind", erklärte Schuster bei einer Pressekonferenz im AKH.

"Vielleicht bin ich der Anfang", sagte Schuster, der die Hoffnung auf eine engeren Kooperation österreichischer und slowakischer Krankenhäuser ausdrückte. Die Untersuchungen wurden nach Angaben des behandelnden Arztes, Univ. Prof. Wolfgang Graninger, vorerst abgeschlossen. Am Nachmittag nahm Schuster die Amtsgeschäfte in Preßburg wieder auf.

Vergiftung unwahrscheinlich
Die Theorie einer möglichen Vergiftung wollte Graninger nicht "ausschließen". Sie sei aber "höchst unwahrscheinlich". Möglicherweise habe es sich bei der Erkrankung, die sich als hohes Fieber, Schüttelfrost und allgemeine Abgeschlagenheit manifestiert hatte, um eine Infektion der Gallenwege gehandelt. Das Staatsoberhaupt war in den vergangenen Tagen in der Slowakei in Kritik geraten, weil sein Gang nach Wien verschiedentlich als "indirekte Misstrauenerklärung gegenüber dem slowakischen Gesundheitswesen" interpretiert worden war.

"Vorgangsweise normal"
Im AKH war man am Donnerstag aber bemüht, diese Argumente zu entkräften und die Behandlung in ein "gesamteuropäisches" Konzept einzubetten. Schuster selbst berief sich darauf, dass er von Bundespräsident Thomas Klestil zwei Mal aufgefordert worden sei, sich in Wien einer zusätzlichen Untersuchung zu unterziehen. Diese Vorgangsweise sei völlig normal, so der Präsident. "In Österreich würde sich niemand aufregen, wenn Klestil nach Deutschland geht, um sich einer Untersuchung zu unterziehen."

Keine "Sonderbehandlung" für Schuster
"Ich weiß, dass in der Slowakei gesagt wird, dass ich ein Ausnahmefall bin und 'wir einfachen Menschen' können uns das nicht leisten", zeigte sich Schuster gegenüber der Meinungslage in der Heimat sensibel. Er gab aber zu bedenken: "Ich habe bereits klar gestellt, dass alles von von mir persönlich gezahlt wird." Selbstverständlich werde dabei die "Differenz zwischen der Krone und dem Euro" deutlich. Dies werde bei einem EU-Beitritt der Slowakei aber ein Ende finden. Auch die österreichischen Ärzte betonten, dass Schuster keine "Sonderrolle" spiele. "Wir haben nur getan, was wir bei vielen anderen Patienten aus der Slowakei tun würden", sagte Graninger.

Auch AKH-Direktor Reinhard Krepler bestätigte: "Es handelte sich um die übliche Vorgangsweise wie bei anderen Patienten." Bei einem Staatspräsidenten würde eine derartige Behandlung allerdings "öffentlich sichtbar". Generell sei man im AKH aber auf den Aufbau eines gemeinsamen europäisches Netzwerkes ausgerichtet. "Jedes Krankenhaus hat seine kleineren oder größeren Leistungen." Die im Militärkrankenhaus von Preßburg begonnene Behandlung sei lediglich fortgesetzt worden, spendete auch Graninger den slowakischen Kollegen ausdrückliches Lob für ihre Arbeit. Im AKH habe man der Therapie im Grunde nur eine Magnetresonanz zur Überprüfung der Leberfunktion hinzugefügt, so der Spezialist.

Was ist an Vergiftungs-Theorie dran?
Er habe ein "ungutes Gefühl", aber "keine Angst", erklärte Schuster bezüglich des vor allem von seiner Familie geäußerten Verdachts, dass er Opfer einer gezielten Vergiftung sein könnte. "In so einer Position muss man mit so einem Risiko leben." Dass sein Sohn Peter am Wochenende Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf einen Giftanschlag erstattete, bezeichnete der Präsident als "menschliche Reaktion, wenn es um den Vater geht." Slowakische Journalisten begegnen der Vergiftungstheorie freilich mit erheblichen Zweifeln. "Erst wenn es wirklich bewiesen ist, sollte man daran gehen, mögliche Urheber oder Zusammenhänge mit den bevorstehenden Parlamentswahlen zu suchen", sagte eine nach Wien gereiste Medienvertreterin.

Schuster war vor zwei Jahren nach einem Darmdurchbruch nur knapp dem Tod entgangen. Er wurde an der Universitätsklinik Innsbruck mehrmals erfolgreich operiert. Für die Überstellung Schusters von Preßburg nach Innsbruck hatte sich ebenfalls Bundespräsident Klestil eingesetzt. In den slowakischen Medien waren damals massive Vorwürfe gegen die Gesundheitseinrichtungen des Landes laut geworden, die nicht einmal in der Lage seien, das Staatsoberhaupt ordentlich zu behandeln.

25.8.2002 09:04