Karsai künftig unter Schutz des US-Außenministeriums
- Autorität des afghanischen Präsidenten erschüttert

Das US-Außenministerium wird im kommenden Monat die Verantwortung für die Sicherheit des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai übernehmen. Nach dem amerikanischen Plan sollen Mitglieder des diplomatischen Sicherheitsdienstes die US-Truppen ersetzen, die seit dem Mordanschlag auf den afghanischen Vizepräsidenten Abdul Kadir Anfang Juli den Präsidenten in Kabul beschützen. "Die Regierung muss in einer Position sein, in der sie ohne Angst vor terroristischer Vergeltung arbeiten kann", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jo-Anne Prokopowicz, am Freitagabend (Ortszeit) in Washington.
"Der Schutz des Präsidenten ist ein Teil dieser Mission", fügte die Sprecherin hinzu. Die Arbeit sei zunächst auf ein Jahr angelegt. Ziel sei es auch, afghanische Leibwächter für Karsai auszubilden, die schließlich die Verantwortung für seinen Schutz übernehmen sollten. Abdul Kadir war am 6. Juli vor seinem Amtssitz von zwei Männern erschossen worden. Die Täter wurden nicht gefasst.
Der Mord an Abdul Kadir und schwere Kämpfe in der afghanischen Hauptstadt haben in den vergangenen Wochen die Autorität der Regierung von Präsident Karsai erschüttert. Spezialisten der US-Armee befüchten eine weitere Schwächung des Präsidenten, dessen Macht kaum über die Stadtgrenzen von Kabul hinausreicht. Vizepräsident und Verteidigungsminister General Mohammed Fahim hat Berichte über einen Machtkampf zwischen ihm und Karsai zurückgewiesen. Die Animositäten zwischen Karsai und Fahim sind nicht neu. Als er in der Mujaheddin-Koalitionsregierung, die 1992 in Kabul die Macht übernahm, kurzzeitig das Amt des Vize-Außenministers bekleidete, wurde Karsai vom damaligen Geheimdienstchef des Tadschikenführers Ahmed Shah Massud, dem späteren Nordallianz-Militärchef und derzeitigen Verteidigungsminister Fahim, unter dem Verdacht der Kollaboration mit dem pakistanischen Geheimdienst festgenommen. Es gelang Karsai damals zu entkommen.
Die Einsetzung des Paschtunen Karsai war allgemein als Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung interpretiert worden. Karsai galt als Vertrauensmann des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI. Er habe mehr Zeit in Pakistan verbracht als in Afghanistan und bediene sich der englischen und der Urdusprache öfter als des Paschtu, sagten Informanten aus seiner Umgebung.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Mordalarm in Wien12:03
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache
