Moskau greift Ziele in Georgien an - Georgien droht
- OSZE bestätigt Explosionen - Moskau streitet Vorwürfe ab
Nach russischen Luftangriffen auf mehrere Ziele im georgischen Pankisi-Tal hat der georgische Präsident Eduard Schewardnadse Moskau mit ernsten Konsequenzen gedroht. Sollten die Angriffe andauern, müsse Georgien "mit allen denkbaren Mitteln" dagegen vorgehen, warnte Schewardnadse am Freitag in Tiflis.
Nach georgischen Angaben wurde bei den Angriffen mindestens ein Zivilist getötet, mehrere Menschen wurden verletzt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichtete von mehreren Explosionen in Grenznähe. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma bot seine Vermittlung an.
Zehn russische Armeehubschrauber hätten eine Schlucht neben dem Pankisi-Tal beschossen, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax den georgischen Sicherheitsminister Waleri Chaburdschania. Während die georgische Polizei von einem Toten sprach, teilte ein Sprecher der georgischen Grenztruppen unter Berufung auf Dorfbewohner mit, bei den Luftangriffen auf drei Ortschaften im Norden des Landes seien mindestens zwei Zivilisten ums Leben gekommen. Weiteren Behördenangaben zufolge wurden drei Menschen getötet und sieben verletzt.
Explosion
Die OSZE erklärte in Tiflis, mehrere Beobachter hätten nicht näher identifizierte "Objekte" in Richtung Grenze fliegen sehen. Wenige Minuten später hätten sie Explosionen gehört, die sich vermutlich in 30 bis 40 Kilometer Entfernung ereignet hätten. Der georgische Außenminister Irakli Menagarischwili bezeichnete den Angriff als "blutiges Verbrechen" der russischen Armee. In der georgischen Hauptstadt Tiflis demonstrierten hunderte Menschen vor der russischen Botschaft und vor russischen Militäreinrichtungen. Dabei wurden keine Zwischenfälle gemeldet.
Die russische Regierung bestritt die Angriffe. Es sei nicht das erste Mal, dass Georgien derartige Erklärungen abgebe, sagte Verteidigungsminister Sergej Iwanow laut Interfax bei seinem Besuch in Nowosibirsk: "Natürlich fühlt sich Russland davon nicht betroffen." Russische Kampfflugzeuge seien am Freitag nicht über der gemeinsamen Grenze im Einsatz gewesen, sagte ein Sprecher der russischen Luftwaffe. Vielmehr suche Georgien für ein misslungenes eigenes Manöver nach einem Sündenbock, hieß es laut Interfax aus dem Verteidigungsministerium in Moskau.
Russischen Angaben zufolge wird das Pankisi-Tal von hunderten Rebellen aus dem benachbarten Tschetschenien als Rückzugsraum genutzt. Georgien warf Moskau in den vergangenen Wochen mehrfach vor, den Luftraum der Kaukausus-Republik verletzt zu haben. Russische Behörden stritten dies stets ab. Sie behaupten, dass Georgien nicht gegen Rebellenattacken in Tschetschenien einschreite.
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