Freitag, 23. August 2002

Räumung der Fischer Deponie beginnt

  • Vorarbeiten sind abgeschlossen
  • Behörden versprechen: Keine Geruchsbelästigung

Nun wird es ernst mit der Räumung der ehemaligen Fischer Deponie bei Wiener Neustadt: Wie die Verantwortlichen heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz in Theresienfeld erläuterten, sind mit Errichtung von Baustelle, Logistik und der Vorbehandlung der ersten Abbauflächen die Vorarbeiten abgeschlossen. Die eigentliche Räumung beginnt in der kommenden Woche.

Bis Ende 2003 sollen 900.000 Kubikmeter Abfall geborgen und entsorgt werden. Für die Bergung des kontaminierten Untergrunds und die anschließende Rekultivierung sind weitere zwei Jahre vorgesehen. Die Kosten der Deponieräumung werden auf 140 Millionen Euro geschätzt und zur Gänze vom Altlastensanierungsfonds getragen.

Seit Anfang August wird im so genannten Bio-Puster-Verfahren schockartig ein Luft-Sauerstoff-Gemisch in den Deponiekörper eingeblasen, wodurch es zu einer Umstellung des anaeroben Milieus auf aerobes Klima und verstärkter Verrottung der organischen Abfallbestandteile kommen soll. In den bereits behandelten Abfallschichten habe die Methangasproduktion stark abgenommen, der Verrottungsprozess wurde beschleunigt und durch Ausdampfen der im Deponiekörper enthaltenen Feuchtigkeit ist es auch zu einer Gewichtsreduktion des Abfalls gekommen.

Durch die Bio-Puster-Behandlung werde sichergestellt, dass nicht übermäßig Aerosole (feinstverteilte feste oder flüssige Stoffe in Form von Nebel oder Rauch, Anm.) frei werden und es beim Abbau oder Zwischenlagerung zu einer starken Geruchsentwicklung kommt. Die Bergung des Abfalls kann daher ohne Belästigung der Theresienfelder Bevölkerung erfolgen. Die abgebauten Abfälle werden nach chemischer Untersuchung - auf der Fischer Deponie wurde dafür eigens ein Labor eingerichtet - nach Art und Gefahrenpotenzial sortiert. Der Abtransport zu den geeigneten Entsorgungs- beziehungsweise Behandlungsanlagen erfolgt durch Lastwagen. Bei einer beabsichtigten Abbauleistung von 3.000 Tonnen pro Tag fallen etwa 160 Lkw-Fahrten an. Dank der eigens errichteten Baustraße zur B17 soll es auch hier zu keiner nennenswerten Belästigung der Anrainer kommen.

Der Deponiekörper setzt sich zum Großteil aus nicht gefährlichen Abfällen wie Baurestmassen, Bodenaushub und Haushalts- oder Gewerbemüll zusammen. Auf die eigentliche Ursache der Grundwasserverunreinigung - mit Lacken, Lösungs- und Reinigungsmittel gefüllte Fässer - entfallen maximal fünf Prozent des Deponievolumens. Diese gefährlichen Abfälle werden in den Entsorgungsbetrieben Simmering (EBS) thermisch entsorgt. Die Lacke, Lösungs- und Reinigungsmittel sind zwar toxisch, in punkto Brand- oder Explosionsgefahr am ehesten noch mit Benzin vergleichbar. Der Transport zu den Entsorgungsbetrieben Simmering erfordert daher "nur" ähnliche Vorkehrungen wie Treibstofftransporte, versicherten die Experten.

23.8.2002 11:04