Freitag, 23. August 2002

brisanter Kindesmissbrauchs-Prozess in Wien

  • Mädchen soll von Vater und Onkel missbraucht worden sein

Ein besonderes Martyrium beschäftigt derzeit einen Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Martina Huber am Landesgericht Wien: Ein jetzt achtjähriges Mädchen soll nacheinander von seinem Vater und von seinem Großonkel sexuell missbraucht worden sein.

Die Angeklagten hätten sich zunächst getrennt voneinander verantworten sollen, die beiden Verfahren wurden jedoch zusammengelegt. Zur Einvernahme weiterer Zeugen wurde der Prozess schließlich vertagt. Erschütternde Details kamen in der Verlesung der Aussage des Mädchens zur Sprache. Der Onkel soll sie unter anderem zum Oralverkehr gezwungen haben, mit beiden soll es zumindest zum versuchten Beischlaf gekommen sein.

Eduard Wegrostek, Verteidiger des Onkels, beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit, blitzte damit aber ab. Zwei Kiebitze, die während der Verlesung Grund zur Heiterkeit fanden, wurden verwarnt. Der 35-jährige Vater sah in der Anzeige gegen ihn eine Racheaktion seiner Ex-Frau. "Bei der Scheidung hat sie gemeint, ich hab' sie geschlagen und ich möchte sie und die Kinder umbringen", sagte er in der Verhandlung.

Pornofilmen gab der Großonkel, der in den Jahren 2000 und 2001 für sexuelle Übergriffe auf die Achtjährige verantwortlich gewesen sein soll, die Schuld, dass er vor Gericht steht. Es bestand offenbar Zugang für das Kind zu einem Pornokanal im Fernsehen. Die Aussage seiner Nichte bewerteten er und sein Verteidiger als "kindliche Fantasie". "Sie meinen, das Mädchen hat den Pornokanal gesehen, und es entschließt sich zu dieser Aussage?", fragte Richterin Martina Huber und wollte es genau wissen: "Wer zeigt einem achtjährigen Mädchen Pornofilme?" - "Das weiß ich nicht. Bei mir sicher net", antwortete der 36-Jährige.

Der Vermutung der kindlichen Fantasie widerspricht jedenfalls das Gutachten der Psychologin: Sie attestierte der Achtjährigen "keine auffällige Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit".

23.8.2002 09:11