Mittwoch, 21. August 2002

Zug-Unfall am Wiener Südbahnhof! 23 Verletzte

  • Bremsmanöver missglückte wegen nasser Schienen
  • Gleis 17: Garnitur aus Payerbach rammte den Prellbock

Notbremsung missglückt! Um 8.10 Uhr kam es am Wiener Südbahnhof zu einem Unfall: Ein auf Gleis 17 einfahrender Zug (2910) krachte gegen einen Prellbock. 23 Persosnen wurden verletzt, drei von ihnen schwer (Knochenbrüche und innere Verletzungen)! Ein plötzlich einsetzender, schwerer Wolkenbruch bildete einen Wasserfilm auf den Schienen. Die tonnenschwere Garnitur kam daher beim Bremsen nicht zum Stehen, sondern rutschte einfach weiter.

Die feuchten Schienen verlängerten den Bremsweg des von Payerbach kommenden Zuges 2910 um zwei bis drei Meter. Dadurch prallte die 300 Tonnen schwere Garnitur um 8.10 Uhr im Schritttempo gegen den Prellbock von Gleis 17. 21 der insgesamt rund 150 Passagiere des doppelstöckigen "Wiesel" City-Shuttles wurden verletzt, drei davon zogen sich laut ÖBB mittlere bis schwere Blessuren zu.

Aufprall mit fünf km/h
Nach dem derzeitigen Wissensstand der Österreichischen Bundesbahnen, der noch u.a. durch den Fahrtenschreiber überprüft wird, dürfte der Lokführer den Bremsweg für eine trockene Strecke berechnet und das entsprechende Manöver bereits eingeleitet haben, als der Wolkenbruch plötzlich über dem Südbahnhof niederging. Dadurch dürften die Berechnungen nicht mehr gestimmt haben, der Bremsweg verlängerte sich ein wenig, der rund 300 Tonnen schwer Zug touchierte den Prellbock mit etwa fünf km/h.

Auf die Berechnung des Bremsweges wird, wie ein ÖBB-Sprecher klarstellte, in der Ausbildung besonderes Augenmerk gelegt. Dem Lokomotivführer liegen dafür die genauen Daten über seine Garnitur vor, etwa Länge und Gewicht sowie Eigenheiten des Bahnhofes. Normalerweise will man auch möglichst nahe an den Prellbock heranfahren, um den Passagieren den Weg zu verkürzen. Ein Bremsversagen wurde definitiv ausgeschlossen.

Passagiere standen bereits
Viele der 150 Passagiere des fünf Waggons umfassenden Zuges mit der Planankunft 8.08 Uhr standen bereits bei den Ausgängen und warteten aufs Aussteigen. Deshalb dürften auch so viele Personen verletzt worden sein. Wie das Wiener Rote Kreuz unter Berufung auf den Chefarzt der Wiener Rettung mitteilte, besteht bei drei Personen Verdacht auf Knochenbrüche - in zwei Fällen Beckenbrüche - bzw. Luxationen. Der Lokführer überstand den Unfall ohne Blessuren, der Sachschaden blieb gering.

Hotline für Angehörige
Die Verletzten wurden in drei Krankenhäuser, SMZ Ost, Wilhelminenspital und AKH, eingeliefert. Für Angehörige wurde bei der Wiener Rettung unter der Telefonnummer 711 19/DW 2044 eine Hotline eingerichtet.

21.8.2002 09:17