Dienstag, 13. August 2002

Ich war Austrianer - NEWS als Trainingsgast

  • NEWS-Reporter Unterweger durfte "Veilchen" spielen

Die neuen Violetten: NEWS-Reporter Walter Unterweger als Trainingsgast bei Österreichs reichstem Fußballklub

Ein kurzer Pfiff hallt über den Platz. Auf Kommando traben die Spieler Richtung Trainer und bilden einen Halbkreis. Und ich bin mittendrin. „Ihr habt es ja vielleicht schon mitbekommen. Wir haben einen neuen Spieler unter uns“, erklärt Walter Schachner mit ernster Miene. „Ein Stürmer-Ass aus der Obersteiermark. Über seine Verpflichtung wird nach dem Training entschieden.“ Mehr war nicht notwenig. Alle Augen sind plötzlich auf mich gerichtet. Ich versuche, so freundlich wie möglich dreinzuschauen. Der eine oder andere aus dem übervollen Kader scheint um sein Leiberl zu bangen.
Freitag, kurz vor 16 Uhr. Ich betrete das Horr-Stadion in Wien-Favoriten. Erfolgstrainer Walter Schachner war spontan bereit, mich einen Nachmittag lang bei Österreichs Traditionsverein Austria Wien mittrainieren zu lassen, dem reichsten Klub und Titelanwärter Nummer eins der heurigen Bundesligasaison. Eineinhalb Stunden lang, volles Programm. Eine Recherche direkt am Ball sozusagen.
Die erste Hürde nehme ich noch gelassen. Die Tür mit der Aufschrift „Eingang nur für Spieler“ stellt für mich kein Hindernis dar. Und schon bin ich drinnen, im Allerheiligsten, in der Spielerkabine. Der erste Eindruck ist nicht schlecht. Sauber, ordentlich, fast steril. Wie es sich eben für einen Nobelklub gehört. Die Spindkästen sind – nicht überraschend – in violett gehalten. Ich gebe Roland Linz die Hand, der sofort übers ganze Gesicht zu grinsen beginnt. Als ich meine Fußballschuhe auspacke, schaut er mich verwundert an und sagt: „Mit denen kannst aber nicht aufs Spielfeld raus.“ „Warum?“, frage ich. „Das ist der falsche Ausrüster.“ – Ich habe Schuhe von der Konkurrenz. Das fängt ja gut an.
Mittlerweile herrscht reges Treiben in der Kabine. Kein Wunder bei dem Riesenkader. 2,2 Millionen Euro soll die Austria zuletzt für Neuverpflichtungen ausgegeben haben. Das Budget wurde auf 18 Millionen geschraubt. Für österreichische Verhältnisse einzigartig. Big Spender Frank Stronach macht’s möglich. Dafür verlangt er aber auch den Meistertitel. Nicht irgendwann, sondern heuer. „Probier’s mit denen“, sagt Linz und drückt mir ein nagelneues Paar Fußballschuhe in die Hand. Sie passen wie angegossen. Wenige Minuten später stehe ich auf dem Trainingsplatz hinter dem Horr Stadion. In einem Austria-Dress. Ich trage die Nummer 23. Irgendwie doch ein erhebendes Gefühl. Das letzte Mal hatte ich ein Klubtrikot vor 16 Jahren an, bei einem Provinzklub in der Steiermark. Und jetzt das Austria-Leiberl. Mein Selbstwertgefühl steigt.

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    13.8.2002 16:34