Dienstag, 13. August 2002

Die Sintflut - alles über die Hochwasser-Katastrophe

  • Die Katastrophe: Österreich versinkt im Jahrhundert-Hochwasser

Es ging alles sehr schnell. Der Pegel der Salzach stieg binnen einer Nacht auf den Rekordwert von acht Metern. In den Wassermassen kenterte das nagelneue Ausflugsschiff Amadeus. Noch schneller stiegen Enns und Steyr und sorgten in der Stadt Steyr für die größte Überschwemmungskatastrophe der Geschichte. Sintflutartige Regenfälle mit mehr als 15 Liter pro Quadratmeter und Stunde setzten ganze Bezirke wie Rohrbach/OÖ oder Krems/NÖ unter Wasser.

Der große Regen machte Montagmittag Salzburg zur geteilten Stadt und verwischte alle sozialen Grenzen. Kurz nach 13 Uhr hatte sich der Wasserstand der Salzach in rasendem Tempo von ihrem Normalstand von vier Meter auf acht Meter verdoppelt und das beliebte Ausflugsschiff Amadeus versenkt – Ausnahmezustand!
„Das Furchtbare beim Wasser ist, dass man untätig und hilflos zuschauen muss. Bei einem Feuer kann man wenigstens löschen. So wartet man nur auf die Katastrophe und hofft, dass das Desaster einen verschont!“ Festspielpräsidentin und Nobelboutiquen-Besitzerin Helga Rabl-Stadler war eine der Ersten, die zur Schaufel griffen und mit Sandsäcken ihr Geschäft hochwassersicher machten: „Ich habe Glück, ich habe wenigstens einen ersten Stock, in dem ich meine Waren in Sicherheit bringen konnte.“ Am Montag durchbricht Rabl-Stadler als Erste die österreichweite Solidarität und nennt Mitschuldige an den Überflutungen der Salzburger Altstadt: „Es ist schon eigenartig, dass die öffentlichen Stellen keine Vorsorge für eine in ganz Österreich vorhersehbare Hochwassergefahr getroffen haben. Ich musste meine Sandsäcke selber organisieren, und die Schleusen der Kraftwerke wurden zu spät geöffnet.“

Leere Getreidegasse
Gespenstisch auch die Atmosphäre auf Salzburgs beliebtester Einkaufsmeile – der Getreidegasse: leere, ausgeräumte Geschäftslokale – nirgends ein Tourist, vereinzelt Feuerwehrmänner. An den Ufern der Salzach ratlose Menschen. Nicole Hofer: „Ich wohne auf der anderen Flussseite – ich habe ein kleines Baby, aber ich werde heute wahrscheinlich nicht nachhause können.“
Symbolträchtig – Soldaten versuchen mit dem Bergepanzer des Bundesheeres die am Franz-Joseph-Kai gesunkene Amadeus zu bergen.
Der seit Mittwoch der Vorwoche anhaltende Dauerregen „versenkte“ große Teile Österreichs und löste eine der größten Katastrophen des Landes aus. Und ein Ende ist weiterhin nicht in Sicht. Die Eckdaten eines Jahrhundertregens, wie er das letzte Mal 1862 Österreich heimgesucht hatte: Unfassbare 294 Liter Regenwasser pro Quadratmeter prasselten mancherorts nieder. Mit Ausnahme von Kärnten hieß es überall: „Land unter!“

Milliardenschaden
Die Folge der großen Flut: Tausende Österreicher wurden obdachlos, verloren ihre Häuser, ihre Geschäfte – ihre gesamte Existenz. Geschätzte Schadenssumme: sechs Milliarden Euro.

Vereinigte Helfer
NEWS-Reporter waren in den Katastrophengebieten vor Ort. Sprachen mit Betroffenen, Helfern und Verantwortlichen. Es sind berührende Geschichten von selbstloser Hilfsbereitschaft und Kameradschaft. Von Menschen, die selbst nachdem sie alles verloren hatten, den Nachbarn weiterhalfen. Faktum ist: Wie nach der Katastrophe in New York hat auch Österreich jetzt neue Helden: die Tausenden Feuerwehrmänner, Soldaten und freiwilligen Helfer, die bis über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus gegen die Flut ankämpften. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bringt die Stimmung im Land auf den Punkt: „Österreich steht zusammen!“
Mittwoch vergangener Woche: Binnen weniger Stunden verwandeln die Regenmassen den sonst idyllischen Kamp in einen reißenden Fluss. Der sonst nur einen Meter tiefe Bach ist plötzlich sechs Meter hoch und donnert mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h durch das enge Tal. Ein Schicksal, das das ganze Land bewegte und für alle andern Überschwemmungsopfer des Waldviertels steht, ist die dramatische Rettung der Familie Adam aus Zöbing.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

Außerdem:

  • Die Bilder zur Katastrophe
  • Die freiwilligen Helden in der Flut
  • Klimaerwärmung und El Nino sind schuld

    13.8.2002 14:31