Erwin P. – wer sonst?
- Alfred Worm über den sicheren Wahlsieger von Niederösterreich
Allen Bedenken zum Trotz ist Erwin P. ein Naturereignis, das beste Trademark geworden ist.
Dass Erwin Pröll ein begabter Selbstdarsteller, ein ausgeprägter Machtmensch und ein omnipräsenter Wirbelwind ist, hat sich bereits herumgesprochen. Kein Geheimnis ist auch, dass Niederösterreich bauernbündlerisch schwarz und der ÖAAB offizielle Landesreligion ist. Im Reich des Erwin Pröll ist Rot als Alibifarbe ausdrücklich erlaubt; Grün wird – mit wenig Begeisterung freilich – geduldet; und Blau ist neuerdings schwer verpönt. Gerüchteweise soll sogar das Landeswappen vom störenden Blau auf modisches Tiefschwarz umgepinselt werden.
Unter Anlegung rigoroser Maßstäbe herrschen heutzutage in Niederösterreich politische Zustände, die der altsowjetischen Politnomenklatura Vorbild hätten sein können. Unter Berücksichtigung der realpolitischen Gegebenheiten zweifelt freilich dennoch hierzulande niemand, dass am Landescapo Pröll die gängigen Messmethoden kläglich versagen.
Erwin Pröll ist, wie sein ähnlich strukturiertes Wiener Politpendant Michael Häupl auch, ganz einfach ein außergewöhnlicher Politiker. Er geht auf Menschen zu, und die Menschen kommen ihm offen entgegen. Er hilft ihnen, und sie wählen ihn dafür. Der Mann macht – in Zeiten wie diesen sehr schwer – eine hervorragende Regional- und eine EU-orientierte Landespolitik. Dass er dazu voll seinen Weinviertler Schmäh und auch seine politische Macht ausspielt, hat Berechtigung: Er tut es fürs Land und dann erst für die ÖVP. Sein Beamtenapparat hat zudem, trotz seiner monokoloren Orientierung, eine Qualität, die sich sehen lassen kann. Alles in allem ist Erwin Pröll ein Naturereignis, das – ähnlich seinem signifikanten Haarstyling – allerbeste Trademark geworden ist.
