Die hohen Kosten der Invasion
- Die überraschend verlaufene erste Kriegswoche
Militärisch werden die US-Truppen Saddams Regime in drei, vier Wochen gestürzt haben. Dann beginnt aber erst die wirklich heikle Arbeit.
Die erste Woche des alliierten Feldzugs gegen den Irak verlief in mehrfacher Hinsicht überraschend:
Im Gegenteil: Je länger dieser Krieg dauert, je deutlicher er sein wahres, schmutziges Gesicht zeigt, umso perverser erscheint seine Inszenierung (fehlt noch, dass die Live-Bilder der zu Propagandisten degradierten Frontberichterstatter direkt mit Börsenberichten untertitelt werden), umso fragwürdiger seine offizielle Legitimation (hätte Saddam seinen Giftschrank wirklich noch gefüllt, hätte er wohl sein todbringendes Arsenal gleich eingesetzt).
Dennoch, trotz des harten Widerstands und trotz der eigenen Pannen werden die US-geführten Truppen wohl in drei, vier Wochen das Regime in Bagdad gestürzt haben, entweder nach einem internen Staatsstreich oder nach – für beide Seiten – besonders verlustreichen Straßenkämpfen (Raketen und Bomben schlagen ja nur auf irakischer Seite ein, was die breite Sympathie erklärt, welche die neue Friedensbewegung für die dortigen Zivilisten, überhaupt nicht für Saddam, empfindet). Dann, nach dem Regimewechsel, beginnt erst die wirklich heikle Arbeit für die Invasoren:
Auch finanziell keine leichte Aufgabe. Die eben von der wenigstens diesbezüglich einigen EU beschlossene humanitäre Soforthilfe in der Höhe von 180 Millionen Euro ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Freilich, Geld genug ist ja da, vor allem jenseits des Atlantiks: Ein einziger Tarnkappenbomber der USA kostet eine Milliarde Dollar. Auch das aber wenig im Vergleich zu den politischen Reparaturkosten: Wie lässt sich etwa das überall weiter gesunkene Vertrauen in die USA wiederherstellen, die derzeit zugleich Weltpolizist und Weltrichter mimen?
