Forum Alpbach dreht sich heuer um Kommunikation
- Höhepunkt: "Chefsache Wirtschaft und Ethik" mit ATTAC-Vize
- Wirtschaftsgespräche von 28. bis 30. August

Vor einer weiteren touristischen Erschließung der alpinen Bergwelt warnte beim "Tirolertag" des Forums Alpbach der Südtiroler Bergsteiger und Grünen-Europaabgeordnete Reinhold Messner. "Das Erlebnis Berg ist in den letzten Jahren in einer Art Disneyland-Welt verloren gegangen", beklagte er. Auch Umweltminister Molterer sprach sich für einen verstärkten Klimaschutz aus.
Messner forderte "Filter" gegen den alpinen Massentourismus. Er warnte vor dem Verlust der Artenvielfalt und der Wasserproblematik in den Bergen. Gleichzeitig rief er zum Erhalt der Kulturlandschaften in den Bergregionen auf, ohne die Erosion und Verwitterung drohten.
"Am Ende sind die Folgen für das Tiefland verheerend, wie wir gerade in den letzten Wochen gesehen haben", sagte der 57-jährige Bergsteiger. Die Kulturlandschaft, die in den Alpen bis zu 2.000 Metern Höhe reiche, habe in den vergangenen Jahren an der Abwanderung der Bevölkerung gelitten. "Wir müssen die Verantwortlichen in den Bergen halten, auf dass sie die Kulturlandschaft pflegen. Aber oberhalb der kleinräumigen Kulturlandschaft sollte das Ödland nicht weiter angetastet werden", mahnte Messner. "Es braucht keine weiteren Erschließungen. Der Konsum sollte auf der letzten Schutzhütte aufhören."
"Klimawandel ist Faktum"
Der Klimaschutz muss nach Worten von Umwelt- und Agrarminister Wilhelm Molterer "prioritäres Ziel" der Umweltpolitik sein. "Der Klimawandel ist aus meiner Sicht ein Faktum", sagte Molterer. Veränderungen des Klimas hätten auch große Auswirkungen auf Wirtschaft, Tourismus und Energieversorgung in den betroffenen Regionen. "Wir haben heute keine Ausrede mehr, dass wir nichts wissen".
"Netzwerke und Kommunikation"
Schon am 15. August begann das Europäische Forum Alpbach, das heuer unter dem Generalthema "Kommunikation und Netzwerke" steht.
Neben Stabilitätspakt-Koordinator Erhard Busek, der auch Präsident des Forums ist, werden u.a. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F), der Ministerpräsident des Kosovo, Bajram Rexhepi und der CDU-Außenpolitiker Elmar Brok erwartet. Am Rande des Forums soll es zu einem ersten Treffen zwischen Außenministerin Benita-Ferrero Waldner (V) und ihrem tschechischen Kollegen Cyril Svoboda kommen.
"Chefsache Wirtschaft und Ethik"
Erstmals findet heuer in Alpbach eine Debatte über "Chefsache Wirtschaft und Ethik" (20. bis 22. August) statt. Angesagt haben sich der Tübinger Theologe Hans Küng, die Vizepräsidentin der globalisierungskritischen Organisation ATTAC, Susan George, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, sowie der Generaldirektor von IBM Österreich, Enst Nonhoff, der Vorstandsvorsitzende von Böhler-Uddeholm, Claus Raidl, und Post-Generaldirektor Anton Wais.
Technologie
Zu den traditionellen Höhepunkten zählen die "Technologiegespräche" (22. bis 24. August), zu denen heuer rund 650 Teilnehmer sowie Referenten aus 20 Ländern erwartet werden. Veranstalter sind wieder die Industriellenvereinigung (IV), die Austrian Research Centers Seibersdorf (ARC) und der ORF-Sender Österreich 1. Einen Schwerpunkt der Plenarveranstaltungen bildeten die Themen Biotechnologie, Physik, Kosmologie und Umwelt. Als Referenten konnten dafür u.a. der britische Kosmologe Martin Rees und der Biologe und Präsident des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierats, der gebürtige Österreicher Gottfried Schatz, gewonnen werden.
Wirtschaft
In den "Wirtschaftsgesprächen" (28. bis 30. August) geht es um die europäische Verkehrsentwicklung und Infrastrukturpolitik. Schwerpunkte dabei sind die Anforderungen an eine europäische Verkehrspolitik, die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur, die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Verkehr sowie Fragen der Nachhaltigkeit. Erwartet werden u.a. Verkehrsminister Mathias Reichhold (F) und seine Ressortkollegen aus Italien, Finnland und Slowenien, Pietro Lunardi, Kimmo Sasi und Jakob Presecnik, sowie KLM-Chef Leo van Wijk. Das Bankenseminar vom 26. bis 28. August wirft zuvor die Frage auf, ob die Internet-Euphorie im Bankwesen nun ins Gegenteil umzuschlagen droht.

