Dienstag, 13. August 2002

Die mysteriösen Leiden des Torjägers Jardel

  • Liebeskummer oder Finte?

Ist es wirklich Liebeskummer, der Europas erfolgreichsten Torjäger aus der Bahn geworfen hat? Oder ist es übertriebener Ehrgeiz, der den Fußballstar Mario Jardel zu Fall brachte? Seit Wochen rätseln die Portugiesen darüber, was hinter den mysteriösen Leiden des 28-jährigen Stürmers von Meister Sporting Lissabon steckt. Der Brasilianer fühlt sich aus Seelenschmerz nicht in der Lage, Fußball zu spielen, und löste damit eine fast endlose Saga aus.

Wegen tiefer Depressionen werde er in einer Klinik mit Schlaftherapien behandelt, berichtete die Presse. Sein Verein ließ dies jedoch dementieren.

Premiere im Profi-Fußball
"Dieser Fall ist außergewöhnlich", sagt der Sportpsychologe Jorge Silverio. "Dies dürfte das erste Mal in der Geschichte des Spitzensports sein, dass ein Fußballer wegen psychologischer Probleme nicht spielen kann." Dabei war die Welt des schlaksigen Stürmers mit dem jungenhaften Gesicht vor kurzem noch in Ordnung gewesen. "Super-Mario" hatte Sporting zum Double geschossen und war mit 42 Treffern Europas Torschützenkönig der Saison geworden.

Training gegen Trennungs-Schmerz
Das Drama begann vor drei Wochen. Ein sichtlich verwirrter Jardel verkündete, er könne in Portugal nicht mehr Fußball spielen. Die Trennung von seiner Ehefrau Karen Ribeiro, einer dunkelhaarigen Schönheit, und den zwei gemeinsamen Kindern habe ihn zu sehr mitgenommen. Aber der Klub zeigte wenig Verständnis. "Ich bin sicher, dass Jardel nicht krank ist", erklärte Trainer Laszlo Bölöni. "Das Training wird ihm helfen, den Liebeskummer zu vergessen."

Aber den Torjäger plagte nicht nur das Scheitern seiner Ehe. Jardel kam nicht darüber hinweg, dass er zwar in Portugal ein gefeierter Star ist, in seiner Heimat aber nichts zählt. Brasiliens zurückgetretener Weltmeistertrainer Luiz Felipe Scolari hatte ihn nicht einmal ins Aufgebot für die WM in Südkorea und Japan berufen.

Fans bezweifeln Jardels Kummer
Viele Fans nahmen Jardel die Klagen über das Ehedrama nicht ab. Sie argwöhnten, dass der Liebeskummer nur eine Finte sei, mit der der Brasilianer die Trennung von Sporting Lissabon und den Absprung zu einem echten Spitzenklub erzwingen will. Gegen Ende der vorigen Saison hatte der Stürmer noch Gerüchte in die Welt gesetzt, dass ihn Vereine wie Real Madrid oder FC Barcelona verpflichten wollten.

Die Transfergerüchte zerplatzten jedoch wie Seifenblasen. Für Jardel, den Kenner als ein "erwachsenes Kind" beschreiben, brach eine Welt zusammen. Als ihn dann auch noch seine Frau verließ, verlor er den Boden unter den Füßen. Das Ex-Model hatte seine Karriere gemanagt und war sein letzter Halt gewesen.

13.8.2002 11:25