Sonntag, 18. August 2002

Budapest bereitet sich auf Donau-Hochwasser vor

  • Rekordpegel von 8,75 Meter erwartet
  • Kroatien: Höchststand von 8,30 Meter am Dienstag erwartet

Die Flutwelle der Donau wird in der Nacht auf Montag ihren Höchststand bei Budapest erreichen. Die Behörden rechnen mit einem Wasserstand von 8,75 Metern. Dies übertrifft den höchsten bisher gemessenen Wert von 8,45 Meter aus dem Jahr 1965. Die Dämme der Stadt seien allerdings für ein Hochwasser von zehn Metern konzipiert. Anders in Kroatien: Dort wird man Probleme haben, den erwarteten Pegelstand von 8,30 Meter am Dienstag zu verkraften.

Bei einer Krisensitzung der Regierung in Budapest am Sonntagnachmittag gab Ministerpräsident Peter Medgyessy die Bereitstellung von 2,7 Milliarden Forint (10,8 Mio. Euro) für den Katastrophenschutz bekannt. Medgyessy sagte, er werde sich beim deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder dafür einsetzen, Ungarn ebenfalls in die Verhandlungen zwischen den vom Hochwasser betroffenen Staaten einzubeziehen. Das Treffen der Hochwasserstaaten Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei fand am Sonntagnachmittag in Berlin statt.

Freiwillige sichern die Deiche
20.000 Freiwillige sind derzeit entlang der Donau im Einsatz, um die Deiche zu befestigen. Mehr als 1.700 Menschen wurden evakuiert. Im Nordwesten des Landes sinkt der Pegelstand der Donau bereits, doch dort machen aufbrechende Wasserfontänen, Stromausfälle und verseuchtes Trinkwasser den Menschen zu schaffen. Bei Visegrad, nördlich von Budapest, brachen in der Nacht auf Sonntag laut Online-Ausgabe der Tageszeitung "Nepszabadsag" die Dämme zwei Mal fast durch, konnten jedoch rechtzeitig von den dort arbeitenden Helfern mit Sandsäcken befestigt werden.

Die Überschwemmungsgebiete der Donau am nördlichen und südlichen Rand Budapests sind bereits vor Tagen evakuiert worden. Die Margaretheninsel in der Nähe des Stadtzentrums, ein beliebtes Erholungsgebiet, wurde mit Sandsäcken befestigt, eine unbebaute zweite Donauinsel im Norden Budapests, alljährlicher Schauplatz des international bekannten Rockevents "Sziget Festival", wurde hingegen aufgegeben und ist bereits in den Fluten versunken.

Für den ungarischen Nationalfeiertag am 20. August wurden in Budapest alle Paraden und Feiern abgesagt. Das alljährliche Feuerwerk über der Donau wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, gab Premier Medgyessy bekannt. Der Budapester Bürgermeister Gabor Demszky hatte vor Kurzem gefordert, das Geld für das Feuerwerk für die Hochwasseropfer zu verwenden.

Kroatien: Osijek wird am Dienstag bedroht
Der Pegel der Donau im ostkroatischen Batina ist am Sonntag auf 6,17 Meter angestiegen. Dies teilte das Krisenzentrum in Osijek mit. Der Strom solle seinen Höchststand am Dienstag mit 8,20 bis 8,30 Meter erreichen. Derzeit errichte man mit Sandsäcken Dämme am Ufer, die einen Schutz bis zu einem Wasserstand von 8,80 Meter gewährleisten sollen.

Dennoch: Dass das Wasser in den Tiergarten von Osijek eindringen werde, gilt als "sicher". Die Drau hat bei Osijek einen Wasserstand von 3,09 Meter erreicht. In der 600.000 Einwohner zählenden Stadt Novi Sad bereiten sich zahlreiche Menschen darauf vor, ihre Häuser zu verlassen.

Falsche Prognose
Bereits teilweise überflutet ist die Urlaubersiedlung Zeleni otok (Grüne Insel) bei Batina sowie eine Straße beim Ort Aljmas. Die Prognose, dass die Donau lediglich auf 7,50 Meter ansteigen werde, habe sich "leider" als falsch erwiesen, räumte Sarcevic ein. Die Vorbereitung auf die große Flutwelle verlaufe aber "gut".

18.8.2002 17:35