US-General: Stärkere Präsenz von El Kaida in Pakistan
- McNeill: Aufgabe der US-Truppen in Afghanistan schwierig
Das islamistische Terrornetzwerk El Kaida des Extremisten Osama bin Laden, der von den USA als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 gesucht wird, ist in Pakistan viel stärker präsent als in Afghanistan. Dies erklärte der Kommandant der in Afghanistan stationierten US-Truppen, General Dan McNeill, am Sonntag in seinem Hauptquartier Bagram.
Hunderte, wenn nicht Tausende von Gefolgsleuten Bin Ladens seien von der südöstlichen Paktia-Provinz aus über die Grenze nach Pakistan gegangen, was von den pakistanischen Behörden auch bestätigt werde.
General McNeill gab zu, dass sich die Aufgabe der US-Truppen in Afghanistan weitaus schwieriger gestalte als vorausgesehen. Er räumte zugleich ein, dass sie erleichtert würde, bestünde die Möglichkeit, auch auf pakistanischem Territorium einzugreifen. Ungeachtet des Engagements der pakistanischen Führung unter General Pervez Musharraf bei der Bekämpfung des Terrorismus würden sich die El Kaida-Elemente großer Sympathien in pakistanischen Grenzgebieten erfreuen. Indem sie die Anti-Terror-Koalition unterstütze, sei die pakistanische Regierung zweifellos ein "großes Risiko" eingegangen, sagte McNeill. Musharraf hatte Anfang August erklärt, dass in seinem Land mehr als 300 El Kaida-Mitglieder in den vergangenen Monaten festgenommen worden seien.
Die USA sind über die Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan zunehmend beunruhigt und stellen sich auf eine lang andauernde militärische Präsenz ein. Nach Angaben von Oberbefehlshaber General Tommy Franks müsse verhindert werden, dass Afghanistan wieder zu einem "Hort von Terroristen" werde. In dem Land sind rund 8.000 amerikanische Soldaten im Einsatz. Die mit US-Hilfe eingesetzte afghanische Regierung des Präsidenten Hamid Karsai, dessen Leibgarde von den USA gestellt wird, kontrolliert lediglich die Hauptstadt Kabul.
Der afghanische Vizepräsident und Verteidigungsminister General Mohammed Fahim hat unterdessen Berichte über einen Machtkampf zwischen ihm und Karsai zurückgewiesen. Fahim erklärte am Samstag in Kabul, er arbeite gut mit Karsai zusammen. Medienberichte über einen "schwelenden Machtkampf" bezeichnete er als "unverantwortliche Propaganda". Fahim bezog sich auf einen Bericht der US-Zeitung "Washington Post", wonach sich der Machtkampf zwischen dem Paschtunen Karsai und seinem tadschikischen Stellvertreter Fahim zugespitzt haben soll. Die Animositäten zwischen Karsai und Fahim sind nicht neu. Als er in der Mujaheddin-Koalitionsregierung, die 1992 in Kabul die Macht übernahm, kurzzeitig das Amt des Vize-Außenministers bekleidete, wurde Karsai vom damaligen Geheimdienstchef des Tadschikenführers Ahmed Shah Massud, dem späteren Nordallianz-Militärchef Fahim, unter dem Verdacht der Kollaboration mit dem pakistanischen Geheimdienst festgenommen. Es gelang Karsai damals zu entkommen.
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