Samstag, 17. August 2002

"Kometenjäger" CONTOUR auseinander gebrochen?

  • Offenbar Steuerungsmanöver misslungen

Die Hoffnungen der Weltraumbehörde NASA auf Kontakt zu einer seit Donnerstag verschollenen teuren Forschungssonde sind stark geschrumpft. Neue Teleskop-Bilder deuten nämlich darauf hin, dass der "Kometenjäger" CONTOUR (Comet Nucleus Tour) während eines Steuerungsmanövers auseinander gebrochen sein könnte.

Der Raketenmotor an Bord sollte die Sonde am Donnerstag auf eine Bahn um zahlreiche Kometen katapultieren. Nach dem erwarteten rund 50 Sekunden langen Zündungsmanöver bemühte sich die Bodenzentrale vergeblich um Kontakt. Experten äußerten aber die Hoffnung, dass es am Ende doch gelingen werde, die Sonde durch Signale zum Antworten zu bewegen - selbst dann, wenn sie beschädigt oder "desorientiert" sei.

An der Suche beteiligte Astronomen der Universität von Arizona entdeckten dann am Freitag (Ortszeit) mit einem Teleskop zwei parallel reisende Punkte auf einer Bahn, die CONTOUR nach der Zündung hätte nehmen können. Das deutet darauf hin, dass die Sonde während der Zündung in zwei Teile zerbrach. "Es sieht schlecht aus. Das ist nicht ermutigend", sagte denn auch Robert Farquhar vom Institut für Angewandte Physik der Johns-Hopkins-Universität, das die Sonde gebaut und betreut hat.

Eine winzige Hoffnung bleibt den Wissenschaftern aber noch: Es ist nicht ganz auszuschließen, dass der schwächere der beiden Punkte lediglich ein relativ kleiner Teil des Außen-Isolierungsmaterials der Sonde ist, der während des Zündungsmanövers weggerissen wurde. In diesem Fall wäre sie noch funktionsfähig. Aber Farquher selbst hielt ein solches Happy End für eher unwahrscheinlich.

CONTOUR sollte den Kometen "Encke" im November 2003 und den Kometen "Schwassmann-Wachmann 3" im Juni 2008 aus der Nähe beobachten. Es ist nicht die erste von APL gebaute Sonde, die als vermisst gemeldet wurde. Am 20. Dezember 1998 verschwand die Sonde NEAR (Near Earth Asteroid Rendezvous) nach der Zündung des Steuerungsmotors für zwei Tage. Sie verpasste dadurch ihre erste Gelegenheit, den Asteroiden Eros zu umkreisen, konnte das Rendezvous aber im Februar 2000 nachholen und landete schließlich am 12. Februar 2001 auf dem Asteroiden.

17.8.2002 16:24