Donnerstag, 15. August 2002

Inhaftierter Bankräuber beging in Graz Selbstmord

  • Vor Suizid sechs Überfälle gestanden

Im Grazer Gefangenenhaus hat sich ein 39-Jähriger, dem sechs Banküberfälle zur Last gelegt wurden, erhängt. Der Mann, der bereits vor 20 Jahren wegen Mordes verurteilt worden war, wollte am Dienstag einen falschen Geldschein, der ausgerechnet aus seiner Beute stammte, bei einer Grazer Bank einwechseln.

Eine aufmerksame Kassierin alarmierte die Polizei, die in der Tasche des Mannes einen hohen Geldbetrag fand. In den anschließenden Verhören gestand der Mann sechs Banküberfälle seit April 2000 in Graz. Donnerstag früh erhängte er sich dann im Grazer Gefangenenhaus, wie Polizeidirektor Franz Stingl mitteilte.

Die Handschellen klickten für den mutmaßlichen Bankräuber, der in Brüssel wohnhaft war, als er kleine Euro-Noten in einer Grazer Bank am Eisernen Tor gegen große Scheine eintauschen wollte. Darunter war ausgerechnet ein "falscher Fünfziger", den der Täter wahrscheinlich bei einem seiner Überfälle erbeutet hatte.

Die Bankangestellte forderte den Mann auf, sich auszuweisen, in der Zwischenzeit wurde die Polizei alarmiert. Diese nahmen den Mann mit auf das Wachzimmer Schmiedgasse, nachdem sie in seiner Tasche rund 35.000 Euro entdeckt hatten. Vor dem Polizeirevier unternahm der Mann noch einen vergeblichen Fluchtversuch. In den anschließenden Verhören gestand er zuerst einen Überfall auf die Raiffeisenbank in der Grazer Mariatrosterstraße am 10. Juli.

In den Abendstunden des Mittwoch packte der Mann dann laut einem der vernehmenden Kriminalbeamten, Herbert Wurzer, umfassend aus und gab insgesamt sechs Überfälle auf Grazer Banken zu, darunter jene auf eine Raiffeisenbank am 21. April 2000, auf zwei Volksbanken am 16. Juni 2000 bzw. 12. September 2000. Dazu kommen noch die Überfälle auf eine Volksbank am 31. Mai 2001 sowie auf zwei Raibas am 30. Jänner dieses Jahres sowie am 10. Juli.

"Es ist ein tragischer Erfolg der Kriminalpolizei", meinte der Grazer Polizeidirektor Stingl bei einer Pressekonferenz zur Ergreifung des Bankräubers und seinem anschließendem Selbstmord. Der 39 Jahre alte Harald Sperger war bei seinen Überfällen immer nach dem gleichen Muster vorgegangen, wie Wurzer erklärte. Man habe zudem nach den sechs Überfällen immer "relativ wenige Hinweise aus der Bevölkerung" erhalten, so der Kripo-Beamte, weshalb man sehr bald von einem "nicht heimischen Täter" ausgegangen sei. Der Mann reiste in der Tat jedes Mal zu seinen Taten mit dem Zug aus Brüssel an, besorgte sich die Tarnutensilien wie Hüte und Kleidung und kundschaftete die Banken auf gestohlenen Fahrrädern aus. Graz als Tatort dürfte er gewählt haben, da er 15 Jahre wegen eines in Vorarlberg im Alter von 19 Jahren verübten Raubmordes im Gefängnis Karlau eingesessen war.

Die Beute hatte der Mann einerseits in einem Erdloch am Grazer Schloßberg versteckt, ebenso wie seine Waffe, eine Gaspistole, andererseits in einem Schließfach am Grazer Hauptbahnhof. 234.000 Euro wurden sichergestellt, über die Gesamthöhe der Beute wollte die Kripo keine Angaben machen, um Nachahmungstäter zu vermeiden. Einen Teil der Beute hatte der Mann "auf großem Fuß lebend" ausgegeben, zuletzt bei einem Aufenthalt in Spanien. Am Donnerstag zwischen 7.00 und 7.40 Uhr nach den letzten Einvernahmen drehte sich der mutmaßliche Täter dann aus seinem Hemd einen Strick und erhängte sich an seinem Stockbett in der Zelle. Laut einem Beamten sei es nicht vorhersehbar gewesen, dass sich der Mann selbst in der Zelle richte.

15.8.2002 16:19