Dienstag, 13. August 2002

1. Hilfe für die Seele: Ärzte-Team tröstet Verzweifelte

Hab und Gut verloren, Haus oder Wohnung verwüstet, nur das nackte Leben gerettet: Tausende wurden Opfer der Flut. Hinter den nüchteren Zahlen verbergen sich dramatische Einzelschicksale. Verzweifelte Menschen, die mit dem Schicksal hadern. Ihnen muss geholfen werden! Nicht nur finanziell. Auch die Seele braucht Trost. Und den versuchen die Mitarbeiter der Krisenintervention des Österreichischen Roten Kreuzes zu spenden.

Die Schäden der Katastrophe und Tausende Schicksale: Menschen haben binnen Stunden ihr Hab und Gut verloren haben, Höfe, die seit 200 Jahren im Familienbesitz waren, wurden zerstört. Die Mitarbeiter der Krisenintervention des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) versuchen, die Betroffenen in dieser dramatischen Situation zu betreuen. "Es ist psychologische Erste Hilfe", schilderte Petra Schmidt. Sie ist in Grafenwörth gemeinsam mit einem Team für rund 60 Personen verantwortlich.

Viele der evakuierten Personen in Grafenwörth wurden in der Volksschule der Ortschaft untergebracht. "Bei der Aufnahme muss oft erst einmal für Grundbedürfnisse gesorgt werden", so Schmidt. Danach benötigen die Betroffen vor allem Wärme und Ruhe. Sind diese Voraussetzungen gegeben, versuchen die Mitarbeiter der Krisenintervention, in Gesprächen eine etwaige "traumatisierende Belastungsstörung" zu verhindern. "Es ist mehr als einfach nur zuhören", erklärte Schmidt.

Die Mitarbeiter werden für ihre Einsätze speziell geschult. "Es ist aber keine Therapie", betonte die Helferin. Vielmehr soll durch eigene Techniken der Gesprächsführung und durch "aktives Zuhören" dem Betroffenen ermöglicht werden, seine Erlebnisse überhaupt aufzuarbeiten.

Ein weiterer Teil der Arbeit besteht im "Screening". Dabei wird versucht, - zumeist ältere - Personen, die alleine in das Kriseninterventionszentrum kommen, mit Angehörigen oder Bekannten zusammen zu bringen.

In Grafenwörth war die Stimmung verzweifelt. "Der Bürgermeister hat den Betroffenen mitgeteilt, dass sie erst morgen oder übermorgen in ihre Häuser zurückkehren können", schilderte Schmidt. Viele der Evakuierten mussten zudem gleich zwei Mal miterleben, wie der Flut Teile ihres Lebens zum Opfer fielen.

In der Niederösterreich-Zentrale des ÖRK betonte man die große Wichtigkeit der Teams. Gemeinsam mit dem Einsatz des Bundesheeres und der Feuerwehr ist die psychologische Hilfe inzwischen zu einer der großen Stützen der betroffenen Bevölkerung geworden. "In den ersten Tagen lenkte die Menschen noch die Arbeit ab", so Sprecher Georg Palfalvi. "Jetzt können sie nur mehr warten."

13.8.2002 17:19