Dienstag, 13. August 2002

Hochwasser trifft Infrastruktur: Millionenschäden!

  • Kamptal-Bahn fast komplett zerstört, ÖBB massiv getroffen
  • Schäden auch auf Westautobahn und an Telekom-Netzen

Die verheerenden Unwetter in Österreich haben zu schweren Schäden an der Infrastruktur des Landes geführt. Sowohl Straßen als auch Schienen standen in Teilen von OÖ und NÖ durch die Überschwemmungen am Dienstag immer noch unter Wasser. Das komplette Schadensausmaß des Hochwassers lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Erste grobe Schätzungen gibt es aber bereits.

Schwer getroffen hat es vor allem die Österreichischen Bundesbahnen. Die Kamptal-Bahn ist nahezu komplett zerstört, auch im Ennstal, in Selzthal und in den übrigen Hochwasserregionen gibt es schwere Schäden. Insgesamt melden die ÖBB nach ersten Berechnungen Schäden in Höhe von 30 bis 50 Mill. Euro. Die zerstörten Strecken würden aber zur Gänze wieder aufgebaut, versicherte ÖBB-Sprecher Andreas Rinofner am Dienstag.

Gleise, Gleisbette, Bahndämme, Signalanlagen und eine Brücke über den Kamp seien durch Überflutungen und Muren zerstört worden. 80 Kilometer Gleis seien unter Wasser, so Rinofner. Wirtschaftlich getroffen werden die ÖBB aber auch durch den Ausfall von Personen- und Güterzügen. Das Netz ist an 30 Stellen unterbrochen. Die ÖBB sprechen von Millionen-Schäden auch im Absatz.

Derzeit tage im Verkehrsministerium ein permanenter Krisenstab, an dem auch die ÖBB beteiligt seien, so Rinofner am Dienstag. Dabei werde auch über die Finanzierung der Schäden gesprochen. Laut Gesetz muss für die Kosten, die der Bahn durch die Katastrophe entstanden sind, der Bund aufkommen. ÖBB-Infrastrukturvorstand Helmut Hainitz hat mittlerweile allerdings auch die Umschichtung von Mitteln innerhalb der Bundesbahnen vorgeschlagen.

Landesstraßen schwer getroffen
Schwer getroffen hat es auch das österreichische Straßennetz und da vor allem die Landstraßen. Schon nach der ersten Hochwasserwelle schätzte man allein in Oberösterreich die Schäden auf 10 bis 15 Mio. Euro, diese Zahl dürfte sich aber noch dieser Tage noch deutlich erhöht haben. Die Schäden werden nur zum Teil aus dem Katastrophenfonds gedeckt. Für den Rest müssen die Länder aufkommen.

5 Mio. Schaden an Westautobahn
Glimpflicher davon gekommen sind die Autobahnen und Schnellstraßen, die davon profitieren, dass sie weitgehend auf mehrschichtigen Dämmen errichtet wurden. Dennoch haben Hangrutschungen auf der A1, der Westautobahn, bei Linz Schäden von bis zu 5 Mio. Euro verursacht. Auf der Schnellstraße S5 ist zwischen Tulln und Krems die Fahrbahndecke auf weiten Strecken komplett zerstört.

Schwere Schäden an Telekom-Netzen
Durch die neuerlichen Hochwasser ist es am Dienstag auch zu weiteren großflächigen Ausfällen im Telefon- und Mobilfunknetz gekommen. Während sich die Situation in Salzburg entspannte, waren weite Gebiete in Oberösterreich und Niederösterreich erneut vom Telefonnetz abgeschnitten. In Schwertberg, Schönberg, Langenlois und Hadersdorf seien die Wählämter am Dienstag erneut unter Wasser gestanden, berichtete Telekom-Sprecherin Sigrid Bachinger.

Von den Unwettern waren auch die Mobilfunknetze betroffen. In Ober- und Niederösterreich stünden zahlreiche Mobilfunkanlagen unter Wasser. Leitungen, die entlang von Brücken geführt wurden, seien samt den Brücken weggeschwemmt worden. "Es ist ein Kampf gegen die Natur", sagte Mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes.

An den Reparaturen wird laut Telekom mit Hochdruck gearbeitet. "Wir arbeiten derzeit rund um die Uhr. Auch am Feiertag wird durchgearbeitet. Und für alle Techniker wurde eine Urlaubssperre erlassen", sagte Bachinger. Aus Tirol, Kärnten und der Steiermark sind zusätzlich rund 150 Mitarbeiter in die Katastrophengebiete zu den Reparaturarbeiten herangezogen worden. Sobald die Wassermassen zurückgehen, will die Telekom noch weitere Zusatzkräfte hinzuziehen.

13.8.2002 14:52