Donnerstag, 22. März 2012

Nach Hochwasserkatastrophe: Nun Gelseninvasion

  • Auch Großstädte von Plage betroffen
  • Kein Anlass für West-Nil-Hysterie in Österreich

Jene Pfützen und Lacken, welche die Überschwemmungen hinterlassen haben, führen derzeit in vielen Gebieten zu einer wahren Invasion an Stechmücken. Laut Gelsenexperten Bernhard Seidel dürfte der Höhepunkt aber jetzt erreicht sein, der Biologe schätzt, dass der Spuk in etwa zwei Wochen vorbei sein wird.

Keinen Grund für eine Hysterie wegen des durch Mücken verbreiteten West-Nil-Virus sieht der Virologe Norbert Nowotny (Veterinärmedizinischen Universität Wien - VUW). Dennoch könnten auch in Österreich vereinzelt Erkrankungsfälle auftreten.

Hochwässer fördern - nomen est omen - Überschwemmungsgelsen. Dabei gilt laut Seidel: Je höher die Wasserstände, desto heftiger die anschließende Plage. Dabei habe aber diesmal der Umstand mildernd gewirkt, dass das Hochwasser zwei Spitzen hatte. "Viele Gelsen haben bereits nach der ersten Welle ihre Eier abgelegt, diese wurden dann bei der zweiten Welle weggespült", so Seidel. Es hätte also noch dicker kommen können.

Seidel bemängelte, dass es heute sehr wohl vernünftige und biologische Methoden gebe, mit denen man Gelseninvasionen in den Griff bekommen könnte. Allerdings müssten die Maßnahmen von Experten koordiniert und rechtzeitig durchgeführt werden. Doch vor Ausbruch der großen Plage gebe es regelmäßig Probleme, etwa von den Ländern die nötigen Mittel dazu loszueisen.

"Kein Anlass für West-Nil-Hysterie"
Aussagen unter anderem von amerikanischen Virologen, wonach es in Europa nach den Überschwemmungen zu vermehrten Krankheitsfällen mit dem West-Nil-Virus kommen könnte, relativiert Nowotny. "Im Gegensatz zu den USA ist das Virus in Europa nichts neues, es gab auch in der Vergangenheit immer wieder vereinzelte Fälle", so der Professor.

Die Krankheit verläuft in den meisten Fällen ganz harmlos und wird mit einer Erkältung verwechselt. Nur in ganz seltenen Fällen gibt es schwere Krankheitsverläufe mit Gehirnhautentzündungen. Zu ersten Problemen führt das West-Nil-Virus nur in wärmeren Gebieten, dort kann es sich in der Mücke erheblich vermehren und dann gestochene Menschen leichter infizieren. Auch kommt es dann zu schwereren Verlaufsformen der Erkrankung.

Eine Übertragung des West-Nil-Virus ist auch mit Überschwemmungsgelsen möglich, allerdings gilt diese Gruppe nicht als typischer Überträger. Daher ist Nowotny überzeugt, dass es letztendlich in unseren Breiten keine Häufung von Krankheitsfällen geben wird.

"Aber letztendlich wissen wir generell nicht sehr viel über die Gruppe der von Insekten übertragenen Virus-Infektionen", so der Experte. An der VUW hofft man, demnächst mit einem Forschungsprojekt beginnen zu können, das diese Viren - darunter auch West-Nil und Amsel-Killer Usutu - genau unter die Lupe nimmt. Aber noch steht die Genehmigung aus.

22.3.2012 09:55