30 Mrd. Dollar-Rekordkredit des IWF für Brasilien
- Geld soll Krise in Brasilien abwenden

Mit der größten Kreditlinie seiner Geschichte will der Internationale Währungsfonds (IWF) im krisengeschüttelten Südamerika einen Sturz ins Chaos abwenden. Die Organisation stellte Brasilien am Mittwoch (Ortszeit) eine Kreditlinie von 30 Mrd. Dollar (30,9 Mrd. Euro) über 15 Monate in Aussicht. 80 Prozent der Summe sollen im nächsten Jahr ausgezahlt werden. Die Zustimmung des Exekutivrats, in dem die IWF-Mitglieder vertreten sind, Anfang September gilt als sicher.
Brasilien wird zwei Monate vor der Wahl von einer schweren Vertrauenskrise geschüttelt. Die Währung hat ein Fünftel an Wert verloren. Die Zinsen für die hohen Auslandsschulden steigen damit dramatisch. Investoren fürchten die Zahlungsunfähigkeit der Regierung.
Der IWF erklärte sich nach langwierigen Verhandlungen mit einer brasilianischen Delegation gleichzeitig damit einverstanden, dass die Notenbank zur Stützung der Währung bis zu zehn Mrd. Dollar an Reserven einsetzt. Damit würde die Bestände der Notenbank auf fünf Mrd. Dollar schmelzen. Damit verfügt die stärkste Volkswirtschaft Lateinamerikas effektiv über einen Betrag von insgesamt 40 Mrd. Dollar. Der IWF erwartet im Gegenzug, dass die Regierung nächstes Jahr einen Haushaltsüberschuss von mindestens 3,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzielt.
"Brasilien verfolgt eine solide, langfristige Politik und verdient die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft", teilte IWF- Direktor Horst Köhler (Bild) mit. "Die aktive demokratische Debatte in Brasilien ist begrüßenswert und der Fonds ist bereit, jede Regierung zu unterstützen, die eine gesunde Wirtschaftspolitik verfolgt." US- Finanzminister Paul O'Neill, der großen Finanzrettungspaketen kritisch gegenüber steht, lobte die Wirtschaftspolitik bei einem Besuch in Brasilien in dieser Woche ausdrücklich.
Brasiliens Probleme sind nach Expertenmeinung auf die schwache Weltwirtschaft und Auswirkungen der schweren Probleme in Argentinien zurückzuführen. Die bevorstehende Wahl verunsichert Investoren zusätzlich. Bei den Meinungsumfragen führen zwei linke Kandidaten. Entgegen den Beteuerungen fürchten Investoren, dass sie die Bedienung der Auslandsschulden einstellen könnten. Brasilien hatte zuletzt im vergangenen September eine IWF-Kreditlinie in Höhe von 15 Mrd. Dollar erhalten. Die Regierung hat davon bereits 14 Mrd. Dollar in Anspruch genommen.
Brasiliens Präsident Fernando Henrique Cardoso nannte die Finanzspritze des IWF "Sauerstoff" für die Konjunktur des Landes, die sich von den Märkten nicht abwürgen lasse. "Die Aufgabe des IWF ist positiv und sollte verstärkt werden", fügte der sozialdemokratische Präsident hinzu. Experten befürworteten das Abkommen. Allerdings entscheide schließlich die Marktreaktion über den Erfolg, hieß es. "Wichtig ist jetzt, wie es (das Abkommen) Kapital- und Kreditbewegungen nach Brasilien beeinflusst", sagte der Volkswirt Constantin Jancso von dem Unternehmen MCM in Sao Paulo.

