Mittwoch, 7. August 2002

Lipobay-Skandal: Rund 2.000 Klagen gegen Bayer

  • Bayer-Chef Wenning schließt Vergleiche bei Prozessen nicht aus
  • Weitere 4.000 Arbeitsplätze gefährdet

Ein Jahr nach dem Lipobay-Skandal sind weltweit bislang mehr als 2.000 Klagen gegen den Leverkusener Bayer-Konzern eingereicht worden. Die meisten Klagen gebe es in den USA, erklärte Bayer-Sprecher Günter Forneck am Mittwoch in Leverkusen. Lediglich 36 Klagen seien außerhalb der USA eingereicht worden.

Angesichts der drohenden Milliardenrisiken durch die Klagen schließt Bayer-Chef Werner Wenning nach Angaben der "Wirtschaftwoche" in Einzelfällen Vergleiche bei Lipobay-Prozessen nicht aus. Der Konzern will nochmals Tausende Arbeitsplätze streichen.

Die Zahl der Klagen ist aber nicht unbedingt identisch mit der Zahl der Menschen, die gerichtlich gegen Bayer vorgehen wollen. Eingericht wurden auch Sammelklagen, denen sich jeweils mehrere Betroffene anschließen können.

Wenning signalisierte unterdessen Verhandlungsbereitschaft. Zwar habe Bayer "auf der Basis des jeweiligen Erkenntnisstandes richtig gehandelt". Er sehe daher keinen Grund, "warum wir uns generell auf einen Vergleich einlassen sollten". In Einzelfällen aber sei er dazu bereit. Der erste Lipobay-Prozess soll laut "Wirtschaftswoche" im Oktober im US-Bundesstaat Texas beginnen. Bayer hatte Lipobay vor genau einem Jahr vom Markt genommen, nachdem das Medikament mit zahlreichen Todesfälle in Verbindung gebracht worden war.

Zu dem angekündigten weiteren Stellenabbau erklärte Wenning, die Integration der im vergangenen Jahr gekauften Aventis CropScience in die eigene Landwirtschaftssparte könnte nochmals 4.000 Arbeitsplätze kosten. "Und dann wird es auf Grund der Neustrukturierung ebenfalls zu Stellenstreichungen kommen." Bayer hatte zuvor schon einmal die Streichung von Arbeitsplätzen angekündigt. Die schwierige Konjunkturlage und die Verluste durch den Verkaufsstopp von Lipobay, das eines der umsatzstärksten Medikamente des Konzers war, hatte den Gewinn des Konzerns im vergangenen Jahr und auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gedrückt.

7.8.2002 15:42