GAK-Fußballakademie: Bedenkliche "Initiationsriten"
- In "Talenteschmiede" wurden jüngere Burschen "gepastert"
- Der Österreichische Fußballbund kündigt genaue Prüfung an

Im Internet wird sie als "Talenteschmiede" angepriesen, ab sofort wird man mit der GAK-Fußballakademie wohl auch andere Begriffe verbinden. Wie der für die Verwaltung zuständige Administrator Wolfgang Kohlfürst der APA bestätigte, mussten sich jüngere Kicker einem demütigenden Initiationsritus, dem so genannten "Pastern" unterziehen. Dabei wurde ihnen von ihren älteren Kameraden eine Klobürste anal eingeführt. Der Österreichische Fußball-Bund hat sich in einer Stellungnahme von den Aussagen distanztert und eine genaue Prüfung angekündigt.
Die Erzieher, durchwegs ausgebildete Pädagogen, wollen erst vor einer Woche von diesen Vorgängen erfahren haben. Sie haben nach den Worten Kohlfürsts sofort reagiert.
Von Kollegen festgehalten
Ins Rollen gebracht hat die Affäre ein Journalist, an den sich die Eltern eines Betroffenen gewandt hatten. Ihm gegenüber erzählte der Jugendliche von den unglaublichen Vorfällen. Demnach wurden Burschen, die sich wehrten, von ihren Kollegen sogar festgehalten. Wer die Prozedur überstanden hatte, durfte dann beim nächsten Mal zuschauen oder gar mitmachen.
Gang und Gäbe
Kohlfürst, ehemaliger Lehrer und als Nicht-Fußballer mit derartigen Vorfällen nicht vertraut, hatte - wie auch seine Kollegen - öfters gehört, dass dieses "Pastern" Gang und Gäbe war - nicht nur an der Akademie, sondern auch in ÖFB-Auswahlen und generell bei der Aufnahme in die Kampfmannschaften, so der Pädagoge. Allerdings nicht in dieser extremen Ausformung wie an der GAK-Akademie.
Schweigekodex
"Das Wort ist immer im Raum gestanden, aber wir haben uns nichts darunter vorstellen können", so der Administrator. Versuche der Pädagogen, von den Opfern Auskunft zu erhalten, seien gescheitert. "Es gab da einen Schweigekodex."
"Etwas im Busch"
Seit einiger Zeit war dann "etwas im Busch", wie sich Kohlfürst ausdrückte. Bei einem Vieraugengespräch brachte er ein Opfer dazu, über die Vorfälle zu sprechen. "Erstmals wurde der Kreis durchbrochen und die Sache ins Rollen gebracht." Die Täter wurden vorerst für eine Woche suspendiert und ein Gespräch mit den - schockierten - Eltern und den Betroffenen gesucht.
Keine weitere Toleranz
Dabei wurde ein Kodex ausgearbeitet, dass ab jetzt derartige Handlungen, die in die Persönlichkeitsrechte anderer eingreifen mit sofortigem Verweis von der Akademie geahndet werden. Kohlfürst: "Ab nun gibt es Zero-Tolerance." Am 19. August werden auch die Eltern der 100 Kicker im Alter von 15 bis 19 Jahren bei einer Versammlung informiert.
Vorwürfe gegen Erzieher
Dabei dürften sich die Erzieher wohl einige Vorwürfe anhören müssen. Dazu Kohlfürst: "In punkto Aufsichtspflicht sind wir uns keiner Schuld bewusst - es war immer jemand da, aber wir können nicht für jedes der 17 Zimmer einen Pädagogen abstellen."
Initiationsritus ausgeartet?
Der Begriff "Pastern" leitet sich, wie sich nun dem Administrator erschloss, von "Schuhpasta" ab, die auf die Hinterteile der Opfer geschmiert wurde. In der GAK-Fußballakademie ist dieser Initiationsritus dann offenbar ausgeartet: Die Schuhcreme musste dann als "Gleitmittel" bei der entwürdigenden Prozedur herhalten.
ÖFB geht auf Distanz
Der Österreichische Fußballbund distanzierte sich am Samstag gegenüber der APA in einer Stellungnahme des Technischen Direktors und U-21-Nationaltrainers Willi Ruttensteiner (Bild) von den Berichten über die GAK-Fußballakademie. "Ich kann das für die Nachwuchs-Nationalmannschaften nur zurückweisen. Dem ÖFB ist ein derartiges Vorkommnis nicht bekannt. Ich denke nicht, dass das auch bei anderen Akademien so zu sehen ist."
Genaue Prüfung
Ruttensteiner will dieser Geschichte genau nachgehen. "Wir werden diese Sache bis ins kleinste Detail prüfen. Ich habe auch bereits mit der Akademie Kontakt aufgenommen." Gerüchte, wonach es ähnliche "Aufnahmerituale" auch in ÖFB-Auswahlen gegeben haben soll, wies Ruttensteiner zurück. "Aber wir nehmen das sehr, sehr ernst und werden diese Thematik mit allen Verantwortungsträgern aufarbeiten."
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